Taliban: Letzter US-Gefangener in Afghanistan in Freiheit

Landstuhl : Letzter US-Gefangener in Afghanistan in Freiheit

Sergeant Bergdahl wurde gegen fünf Taliban ausgetauscht.

Der nach fast fünf Jahren Taliban-Gefangenschaft in Afghanistan freigekommene US-Soldat Bowe Bergdahl (28) wird in Landstuhl in Rheinland-Pfalz auf sein Leben in Freiheit vorbereitet. Bergdahl wurde gestern ins Landstuhl Regional Medical Centre gebracht, das größte Lazarett der US-Streitkräfte außerhalb der Vereinigten Staaten. Der Unteroffizier werde zunächst medizinisch und psychologisch untersucht. Zu seiner Verfassung machte der Sprecher der US-Streitkräfte keine Angaben.

Der 28-Jährige war am Samstag im Zuge eines umstrittenen Gefangenenaustauschs den Amerikanern übergeben worden. Im Gegenzug wurden fünf afghanische Häftlinge aus dem US-Lager Guantánamo Bay auf Kuba nach Katar geflogen, wo sie zunächst ein Jahr lang unter strikter Überwachung leben sollen.

Für die Befreiung ihres letzten Kriegsgefangenen in Afghanistan hatten die USA noch einmal ganz auf Risiko gesetzt. In geheimer Operation landeten Dutzende Mitglieder eines Spezialkommandos mit Hubschraubern in der Provinz Chost an der Grenze zu Pakistan. Dort warteten am Samstag schon 18 Taliban mit Bowe Bergdahl - eine gefährliche Konfrontation, bei der viel hätte schiefgehen können.

"In einer Operation wie dieser, in der immer Ungewissheit herrscht, immer Gefahr, bereitet man sich auf alle Eventualitäten vor", sagte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel. Spähtrupps hätten jeden Winkel des Übergabeortes ausgekundschaftet, zahlreiche Soldaten und Helikopter hätten zum Eingriff bereitgestanden. "Zum Glück fielen keine Schüsse. Es gab keine Gewalt."

Als Bergdahl endlich im Hubschrauber saß, aber mit seiner Stimme nicht gegen den Rotorlärm ankam, schrieb er den Berichten zufolge nur zwei Buchstaben auf einen Pappteller: "SF?". Ob er in den Händen der Special Forces sei, fragte er seine Kameraden damit. "Wir haben sehr lange nach Dir gesucht", riefen sie ihm zu - der 28-Jährige brach in Tränen aus.

Daheim in Washington präsentierte US-Präsident Barack Obama die gelungene Kommandoaktion als Triumph. "Bowe ist niemals vergessen worden", erklärte er am Abend feierlich im Rosengarten des Weißen Hauses - mit den Eltern Robert und Jani Bergdahl an seiner Seite. "Die Vereinigten Staaten von Amerika lassen niemals unsere Männer und Frauen in Uniform zurück."

Sobald er in Landstuhl und später in Amerika seine gesundheitlichen Probleme überwunden hat, droht Bergdahl allerdings eine Untersuchung der Umstände seiner Gefangennahme. Medien zufolge hatte er sich kurz vor seinem Verschwinden kritisch über den US-Militäreinsatz in Afghanistan geäußert. Einige Kameraden hätten ihn deswegen als Deserteur gesehen. Doch aus Pentagonkreisen verlautete, dass der 28-Jährige wohl nicht mit einer Strafe zu rechnen habe.

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(dpa)