Schwerpunkt Wahlkampf: Szenario für den Kandidaten Steinbrück

Schwerpunkt Wahlkampf : Szenario für den Kandidaten Steinbrück

analyse Wie Peer Steinbrück nominiert werden kann und trotzdem alle drei potenziellen Kandidaten am Ende gewinnen.

Berlin Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass Ex-Finanzminister Peer Steinbrück Kanzlerkandidat der SPD wird, dann kam er am Donnerstag per Pressemitteilung. Ausgerechnet die Parlamentarische Linke, Sprachrohr des linken Flügels in der Fraktion, begrüßte überschwänglich das Finanzkonzept von Steinbrück.

Die Parteilinke und der konservative Ex-Finanzminister, der Funktionäre schon mal als "Heulsusen" titulierte? Offenbar hat sich die Linke an den Gedanken eines Kanzlerkandidaten Steinbrück gewöhnt. Dessen Finanzkonzept trifft mit Steuererhöhungen für Wohlhabende, der Aufspaltung der Investment- und Kreditsparte der Großbanken ganz den Geschmack der Linken. Außerdem mehrten sich zunehmend die Hinweise, dass Peer Steinbrück noch in den nächsten Tagen oder Wochen,rechtzeitig vor dem beginnenden Landtags-Wahlkampf in Niedersachsen, als Herausforderer von Angela Merkel nominiert wird. Diskutiert wurde zuletzt nur noch über das Format.

Wie im Umfeld der freundschaftlich verbundenen Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier (SPD-Jargon: "Stones") berichtet wird, haben sich alle drei potenziellen Kandidaten (dazu gehört SPD-Chef Sigmar Gabriel) längst auf einen Kandidaten und einen Modus geeinigt haben. Einen Deal, bei dem am Ende möglicherweise alle profitieren. Demnach soll Peer Steinbrück, der willensstarke und wuchtige Redner, der auch im bürgerlichen Milieu beliebt ist, als Stimmenmaximierer gegen Angela Merkel in den Wahlkampf ziehen. Selbst Parteilinke wüssten, dass der scharfzüngige Ökonom in der Euro-Krise am ehesten mobilisieren kann. Steinmeier, der hoch angesehene, aber einigen zu brave Fraktionschef, müsste sich zudem nicht die Tortur des Wahlkampfs antun. Steinmeiers gesundheitlich angeschlagene Frau sieht die Monate der Reisen und der Dauerbeobachtung ohnehin skeptisch. Angeblich soll Steinmeier schon vor einigen Wochen zu Steinbrück gesagt haben, dass er ihm den Vortritt lassen würde.

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat sich angeblich schon im Sommer aus dem Bewerberkreis verabschiedet. Er weiß seine Popularitätswerte im Volk (äußerst niedrig) einzuschätzen und kann bis 2017 warten. Er legt Wert auf den Fraktionsvorsitz, der ihm nach der Bundestagswahl die wahre Macht in der Partei sichern würde. Doch auch Steinmeier könnte profitieren. Sollte es ein Patt zwischen Schwarz-Gelb und Rot-Grün geben, würde Steinbrück versuchen, eine Ampel-Koalition mit Grünen und FDP zu verhandeln. Die Vorbereitungen für ein solches Bündnis laufen auf verschiedenen Ebenen bereits. Sprübar versucht vor allem die FDP sich nach einer Reihe von Demütigungen in der schwarz-gelben Koalition eine neue Option zu öffnen. Hinter den Kulissen stellen FDP-Minister sozialdemokratische Beamte ein und geben Grünen-Politikern Beraterjobs. Frank-Walter Steinmeier wäre in einer Ampel gesetzt als Minister. Gelänge das Bündnis nicht, könnte Peer Steinbrück Frank-Walter Steinmeier das Vizekanzleramt in einer großen Koalition antragen. Er selbst hat ein Ministeramt unter Merkel ausgeschlossen.

Und was macht dann Steinbrück? Der könnte sich nach der Last des Wahlkampfs jeden internationalen Posten von Steinmeier und Gabriel zusichern lassen, den die SPD besetzen darf. EU-Präsident? Steinbrück würde es sich zutrauen. Und alle Troika-Mitglieder wären zufrieden.

(brö)
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