Syrische Zivilisten sterben zwischen den Fronten

Syrische Zivilisten sterben zwischen den Fronten

Damaskus (dpa) Die Leichen liegen in Moscheen, auf der Straße, auf den Feldern. Sie sind stumme Zeugen des Kampfes in der Kleinstadt Darija – ein Kampf, bei dem es keine Gnade gab, weder für unbeteiligte Zivilisten noch für Gefangene. Von mehr als 200 Toten ist die Rede.

Aus den Videoaufnahmen und Berichten, die gestern, einen Tag nach dem Ende der Militäroffensive in dem Vorort von Damaskus, an die Öffentlichkeit drangen, lässt sich ungefähr rekonstruieren, was geschehen ist. Nachdem die Zahl der bewaffneten Aufständischen in dem südlichen Vorort zugenommen hatte, beschoss die Armee den Ort mit Artillerie.

Darija liegt auf der Nachschublinie der in der Hauptstadt kämpfenden Rebellen. Hubschrauber stiegen auf, um die Regimegegner anzugreifen. Als die schlechter bewaffneten Revolutionäre aufgeben mussten, drangen die Truppen von Präsident Baschar al Assad in die Stadt ein und erschossen Dutzende Menschen, meist junge Männer.

Dass es sich bei einigen der Toten um mutmaßliche Sympathisanten des Regimes handelt, die von den Revolutionsbrigaden getötet wurden, lässt sich jedoch nicht ausschließen. Denn der seit 17 Monaten andauernde Konflikt hat aufseiten der Aufständischen ein System organisierter Rache entstehen lassen. Und im Gegensatz zu den Deserteuren, die sich der Freien Syrischen Armee angeschlossen haben, kämpfen viele der bewaffneten Freiwilligen unter dem Banner des sunnitischen Islam.

Als ihre Feinde sehen sie die vorwiegend aus Angehörigen der alawitischen Minderheit bestehende Führungsclique und deren Miliz. Sie entführen und töten zwar auch Sunniten, wenn diese in ihren Augen Handlanger des Regimes sind. Doch deutet vieles darauf hin, dass sich einige der Anti-Assad-Kämpfer mit der Frage nach der individuellen Schuld ihres Gegenüber noch weniger aufhalten, wenn ihnen ein Alawit in die Hände fällt.

Angeblich zeigt die Armee Assads Auflösungserscheinungen: Erstmals soll sich ein Kommandeur abgesetzt haben, der größere Kampfverbände befehligt hatte. Jordanische Medien meldeten, General Mohammed Mussa al Chairat habe zusammen mit weiteren Offizieren die Grenze überquert.

(RP)
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