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Persönlich: Sven Thomas ... verteidigt Bernie Ecclestone

Persönlich : Sven Thomas ... verteidigt Bernie Ecclestone

Das Düsseldorfer Büro von Star-Anwalt Sven Thomas (66) liegt etwas versteckt an der Wasserstraße gegenüber dem Ständehaus mit seiner Kunstsammlung K 21. Wenn er frische Luft zum Nachdenken braucht, kann Thomas direkt ein paar Schritte in den hübschen Park des Ständehauses tun. Dazu wird er in nächster Zeit allerdings kaum kommen. Denn der Düsseldorfer Strafverteidiger hält sich zurzeit eher in München auf, wo er den angeklagten Formel-1-Boss Bernie Ecclestone vertritt. Der hat angeblich den früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky mit 44 Millionen Euro bestochen, um die bei dessen Bank lagernden Formel-1-Anteile an einen Ecclestone genehmen Investor weiterzureichen. So sei es dem Briten gelungen, die Kontrolle über sein Imperium zu behalten.

Thomas ist einer der bekanntesten Wirtschaftsanwälte der Bundesrepublik. Zu seinen Mandanten zählten Deutsche-Bank-Chef Rolf-E. Breuer, der inzwischen verstorbene frühere Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff oder Ex-Siemens-Vorstandschef Heinrich von Pierer. Wenn es für die Reichen und Mächtigen brenzlig wird, muss Thomas ran. Seine Mischung aus Charme, Leutseligkeit und ruppigem Auftreten ist bei den Anklägern der Republik gefürchtet. Messerscharf sind seine Plädoyers, sein Gespür für Schwächen in der Anklage ist berüchtigt.

Seine großen Auftritte hatte Thomas im Düsseldorfer Mannesmann-Prozess. Dort verteidigte er dessen letzten unabhängigen Chef Klaus Esser und wirbelte ein ums andere Mal das Gericht durcheinander. Der Top-Manager, dem die Anklage die Erschleichung einer Prämie und Abfindung von 30 Millionen Euro vorwarf, ging straffrei aus. Sein Renommee in der Düsseldorfer Wirtschaftswelt hatte er freilich eingebüßt. In München dürfte das Formel-1-Chef Ecclestone herzlich egal sein. Aber einen Freispruch für den Briten zu erwirken, dürfte dafür umso schwieriger werden.

Martin Kessler

(RP)