Straßenschlachten in Frankreich

Straßenschlachten in Frankreich

Grenoble Ausgebrannte Autos in den Straßen, Hunderte schwer bewaffnete Polizisten und verängstigte Bewohner: Seit dem vergangenen Wochenende hat La Villeneuve, eine Vorstadt von Grenoble in den Alpen, ihren Ruf als sozialer Brennpunkt weg. Wieder einmal brennt in Frankreich eine Banlieue, liefern sich Jugendliche Straßenschlachten mit Sicherheitskräften.

Dieses Mal war es der Tod eines 27-Jährigen aus La Villeneuve, der die schweren Krawalle auslöste. Karim Boudouda, mehrfach vorbestraft, hatte mit einem Freund ein Kasino ausgeraubt. Auf der Flucht lieferten sich die beiden wild um sich schießend eine Verfolgungsjagd mit der Polizei. Am Ende war Boudouda tot, im Kopf eine Polizeikugel. Notwehr, heißt es offiziell. Für die Freunde des Toten ist er ein Opfer der Polizei geworden, weil er ein Kind der Banlieue war. Sie wollten Rache nehmen, und so kam es zu den bürgerkriegsähnlichen Szenen vom Wochenende. 20 Personen wurden festgenommen. "Das ist eine Schande", regt sich eine Frau vor der Reihe abgebrannter Autos auf. "Wir haben kein Geld, um uns ein neues zu kaufen." "Man nimmt uns hier als Geiseln", klagt ein älterer Mann. Die Grenze zu Italien ist nah, die Mafia kommt und geht, und in La Villeneuve boomt das Geschäft mit Drogen, Prostitution und illegalem Glücksspiel. Präsident Nicolas Sarkozy habe zu seiner Zeit als Innenminister die Nachbarschaftspolizei abgeschafft, klagt der sozialistische Bürgermeister Michel Destot. Die kannten ihre Problemfälle und hatten sie einigermaßen im Griff. Die Opposition spricht von einer "offenkundigen Niederlage" Sarkozys. Die Rechtsextreme von Jean-Marie Le Pen behaupten, sie seien die "einzige politische Kraft, die Gauner in Schlips und Kragen oder Kapuzenpullis zur Raison bringen kann".

In manche Banlieues fahren Müllabfuhr, Post oder Busse aus Furcht vor Übergriffen nicht mehr hinein. Innenminister Brice Hortefeux kam am Samstag für 15 Minuten, sagte, dass "Gauner und Kriminelle keine Zukunft haben" und rauschte wieder ab. Gestern, nach einer laut Polizei relativ ruhigen Nacht, in denen sie "nur" zweimal beschossen wurde, rief der Präfekt als Vertreter der Regierung die Lokalpolitiker zur Krisensitzung.

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