Stolpersteine für ein Miteinander

Stolpersteine für ein Miteinander

Erfurt Es waren dringliche Worte, die Bundestagspräsident Norbert Lammert an den Gast aus Rom richtete – die Bitte nämlich, dass im Pontifikat eines deutschen Papstes nicht ein weiteres Bekenntnis zur Ökumene stattfände, sondern ein unübersehbarer Schritt zur Überwindung der Kirchenspaltung. Doch was ist überhaupt denk- und vorstellbar, wenn die zentralen Punkte der Spaltung zugleich das Wesen der Kirchen berühren?

Dazu gehört das Abendmahl, die Eucharistie, bei der sich für die römisch-katholische Kirche Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandeln. "Wo Eucharistie gefeiert wird, da ist Kirche", sagt Walter Kardinal Kaspar und meint, dass sich erst in der Eucharistie Kirche als Communio begreife und Wirklichkeit werde. Das Abendmahl ist für die katholische Kirche konstituierend und wird daher in einem ökumenischen Dialog nicht verhandelbar sein können.

Zu solchen Fundamenten zählt auch das Amtsverständnis. So sind die Apostel Grundsäulen des katholischen Glaubens, wobei die apostolische Tradition durch die Nachfolge der geweihten Priester bewahrt wird. "Sukzession" heißt diese konkrete Gestalt, mit der die Kirche ihre apostolische und verbindliche Ordnung bekommt. Darin soll zudem das Wirken des Heiligen Geistes sichtbar werden. Doch diese Kontinuität ist nach den Vorstellungen Roms mit der Reform unterbrochen; evangelische Pfarrer sind nach römischem Verständnis nicht gültig geweiht. So wird im ökumenischen Dialog die Amtssukzession oft als Spitze jenes Eisbergs bezeichnet, der die wesenhaften Unterschiede im Kirchenverständnis markiert.

Daran knüpft die Frage nach dem Frauenpriestertum an. Da der Priester in der katholischen Kirche theologisch Jesus Christus repräsentiert und überdies in der Heiligen Schrift nicht von Frauenordination die Rede ist, hat auch dies für den Vatikan verbindlichen, das heißt endgültigen Charakter.

Schließlich Luthers Lehre vom gemeinsamen Priestertum aller Getauften: "Denn was aus der Tauf gekrochen ist, das mag sich rühmen, das es schon Priester, Bischof und Papst geweiht sei", schrieb der Reformator. Für Katholiken freilich gibt es für alle Getauften allenfalls eine Mitverantwortung, Zeugnis vom Evangelium abzulegen.

Wo bleiben da überhaupt Spielräume? Und wird die katholische Kirche Wesenskerne ihres Glaubens diskutieren, weil es etwa zwei Prozent ihrer Gläubigen (das ist der deutsche Anteil am Weltkatholizismus) wünschen? Es gab hierzulande einmal eine ökumenische Aufbruchstimmung; das war 1999, als beide Kirchen eine Einigung in der Rechtfertigungslehre erzielten. Nur ein Jahr später folgte die vom damaligen Kardinal Joseph Ratzinger formulierte Erklärung "Dominus Iesus", nach der evangelische Gemeinschaften nicht Kirche im eigentlichen Sinn genannt werden können. Was das heiße und welche Folgen das habe, fragte noch vor wenigen Tagen Präses Nikolaus Schneider. Selbst darauf hat sich in den vergangenen elf Jahren keine tragbare Antwort finden lassen.

(RP)
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