1. Politik

Rentner zahlen 21 Milliarden im Jahr: Steuerbelastung für Rentner steigt

Rentner zahlen 21 Milliarden im Jahr : Steuerbelastung für Rentner steigt

Der Staat nimmt von Ruheständlern fast 21 Milliarden Euro Steuern im Jahr ein – Tendenz steigend. Im Schnitt zahlt ein steuerpflichtiger Rentner knapp 4500 Euro pro Jahr, rund 30 Prozent mehr als vor vier Jahren.

Der Staat nimmt von Ruheständlern fast 21 Milliarden Euro Steuern im Jahr ein — Tendenz steigend. Im Schnitt zahlt ein steuerpflichtiger Rentner knapp 4500 Euro pro Jahr, rund 30 Prozent mehr als vor vier Jahren.

Die Steuerpflichtigen unter den 20 Millionen Rentnern in Deutschland zahlen im Durchschnitt bereits knapp 4500 Euro Einkommensteuer pro Jahr — mit steigender Tendenz. Das geht aus einer Aufstellung des Bundesfinanzministeriums mit Daten des Statistischen Bundesamtes hervor. Demnach stieg das gesamte Aufkommen aus der Einkommensteuer von Rentnern nach den zuletzt verfügbaren Zahlen des Jahres 2008 auf nunmehr fast 21 Milliarden Euro.

Seit 2004 nahmen die jährlichen Steuerzahlungen damit um fast acht Milliarden Euro zu. Experten gehen davon aus, dass Rentner in Jahr 2011 schon bis zu 25 Milliarden Euro Steuern gezahlt haben. Damit würden die Rentner zum gesamten Aufkommen aus der Lohn- und Einkommensteuer allerdings noch immer nur 15 Prozent beitragen.

Mit der Entscheidung für die Rente mit 67 hatte der Gesetzgeber 2005 auch die Besteuerung der Alterseinkünfte reformiert. Seitdem steigt für Neurentner der steuerpflichtige Anteil der gesetzlichen Rente Jahr für Jahr: Zuletzt lag dieser Anteil bereits bei 64 Prozent bei einem Rentenbeginn im Jahr 2012. Wer dagegen 2005 in den Ruhestand trat oder erstmals eine gesetzliche Rente bezog, muss lediglich 50 Prozent der Einkünfte versteuern. Zum Anstieg des Steueraufkommens der Rentner trugen auch die höhere Zahl der Rentenempfänger, das gestiegene Rentenvolumen und vor allem die Entwicklung ihrer übrigen Einkünfte bei.

Ruheständler, die neben der gesetzlichen Rente noch andere Bezüge wie Betriebsrenten, Mieteinkünfte oder Kapitalerträge haben, steuern den Löwenanteil zum Aufkommen bei. Wer dagegen überwiegend von der gesetzlichen Rente leben musste, habe 2008 im Schnitt nur 200 Euro Einkommensteuer gezahlt, heißt es in der Aufstellung. Wer ausschließlich auf die Rente angewiesen ist, musste dem Finanzamt durchschnittlich nur 41 Euro im Jahr überweisen.

Die Zahl der Steuerzahler unter den Rentnern stieg der Aufstellung zufolge kontinuierlich: 2008 waren es bereits 2,8 Millionen, die Einkommensteuer zahlten, im Jahr davor waren es erst 2,6 Millionen Rentner gewesen. Zwischen 2004 und 2008 sei die Zahl der Steuerbelasteten damit um knapp eine Million gestiegen, hieß es im Finanzministerium.

In den kommenden Jahrzehnten wird diese Zahl weiter zunehmen, denn ab 2040 wird die gesetzliche Rente für alle, die dann in den Ruhestand gehen, komplett steuerpflichtig sein. Auf steigende Steuereinnahmen von Ruheständlern wird der Staat künftig dringend angewiesen sein, denn die Zahl der Pensionäre wird drastisch zunehmen: Nach einer neuen Studie der Ruhr-Universität Bochum im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung wird sich der Anteil der über 65-Jährigen an der Bevölkerung von heute 30 Prozent bis 2060 auf 63 Prozent verdoppeln. Entsprechend höher wird der Steuerzuschuss des Bundes für die Rentenversicherung ausfallen.

  • US-Präsident Joe Biden nach der Unterzeichnung
    Neuer Feiertag : USA erinnern mit "Juneteenth" an das Ende der Sklaverei
  • Patricia Espinosa, UN-Klimachefin, beim Weltklimagipfel 2018
    Klimachefin der Vereinten Nationen zieht Fazit : Kein Durchbruch bei „anstrengenden“ Online-Gesprächen übers Klima
  • FOTOS: DPA, ISTOCK  MONTAGE: FERL
    Sicherheit der Wahl : “Risiko für unsere Demokratie“

Die Bochumer Wissenschaftler fordern, künftig auch für Beamte und Selbstständige eine Versicherungspflicht einzuführen. Dies sei die beste Möglichkeit, ein sinkendes Rentenniveau und deutlich steigende Beitragssätze in Zukunft zu verhindern. Wenn die geburtenstarken Jahrgänge 1955 bis 1970 in Rente gehen, werde das Niveau der Renten in Deutschland sinken und der Beitragssatz steigen müssen, sagt die Simulationsrechnung der Studie voraus. Die bisherigen Rentenreformen reichten selbst bei höherer Arbeitsproduktivität durch technischen Fortschritt nicht aus, um das Rentensystem zu stabilisieren.

Der Beitragssatz zur Rentenversicherung müsste von heute knapp 19 auf 27,2 Prozent steigen, um 2060 noch die Zielmarke eines Rentenniveaus von 41,2 Prozent zu erreichen, haben die Wissenschaftler errechnet. Würden auch Beamte und Selbstständige Beiträge in die Rentenversicherung zahlen, würde dagegen ein Beitragssatz von rund 25 Prozent für ein etwa 50-prozentiges Rentenniveau reichen.

(mar)