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Die Landtagswahl am Sonntag: Steinbrück kämpft um Niedersachsen

Die Landtagswahl am Sonntag : Steinbrück kämpft um Niedersachsen

Die Landtagswahl am Sonntag soll dem SPD-Kanzlerkandidaten endlich Rückenwind geben. Er wirbt sogar mit Hausbesuchen um Stimmen. Schwierig für Steinbrück wird es, sollten SPD und Grüne auf die Linken angewiesen sein.

Wie geht das — Wahlkampf möglichst ohne Journalisten? Peer Steinbrück, der in den Medien wegen seiner irritierenden Äußerungen seit Wochen kritisch beäugte SPD-Kanzlerkandidat, macht es in Niedersachsen vor. Eine Woche vor der Landtagswahl lädt sich Steinbrück einfach zum Wähler ins Wohnzimmer ein. Interessierte Bürger durften den Merkel-Herausforderer bei Kaffee und Kuchen in ihrem eigenen Zuhause befragen. Die einzige Bedingung der SPD lautete: Journalisten sind nicht zugelassen. Die Gespräche sollten schließlich "so privat wie möglich und ganz ohne Medienrummel ablaufen", wie es auf Steinbrücks Internetseite heißt. Gestern besuchte der SPD-Mann in der Nähe von Braunschweig erstmals eine Familie. Weitere Hausbesuche sollen folgen. Wahlkampf hautnah.

Peer Steinbrück hatte sich schon vor einigen Wochen neue Formate für den Wahlkampf gewünscht. Die üblichen Auftritte auf Marktplätzen und Bühnen sind nicht seine Sache. Das Großkundgebungsmodell nach der Devise "Einmarsch, Klatschmarsch, Frontalunterricht" habe sich überlebt, lautet sein Argument. Damit mag der Sozialdemokrat durchaus recht haben.

Doch behaupten nun Spötter, dass sich Peer Steinbrück auch deswegen mit seinen Wählern ins Privatissimum zurückziehe, weil ihm der Wind draußen auf den Plätzen zu scharf ins Gesicht blase. Immerhin war Steinbrücks Wirken als Kanzlerkandidat in der Öffentlichkeit bisher eher glücklos. Mit dem Begriff "Fehlstart" sind seine ersten Monate als Kanzlerkandidat noch diplomatisch umschrieben.

Die öffentliche Debatte um Steinbrücks lukrative Nebentätigkeiten, aber auch seine jüngsten Äußerungen zu Billig-Wein ("Kein Pinot Grigio unter fünf Euro"), Angela Merkels "Frauenbonus" und der Höhe des Kanzlergehalts haben den Kandidaten in allen Umfragen weit hinter die Amtsinhaberin abstürzen lassen. Die Union frohlockt bereits angesichts der Treffsicherheit Steinbrücks bei Fettnäpfchen. Die Junge Union aus NRW sammelt auf der Internetseite peerspektivlos.de Wortspiele mit dem Vornamen Steinbrück. "PEERfektes Debakel", "Keine ExPEERimente" oder "ProblemPEER" sind darunter.

Steinbrück braucht also dringend ein Erfolgserlebnis. Das soll die Landtagswahl in Niedersachsen am Sonntag bringen. Sollte Rot-Grün gewinnen, geriete die Debatte über Steinbrücks Missgeschicke in den Hintergrund und die Misere von Schwarz-Gelb in den Vordergrund. Es wäre die zwölfte Niederlage der CDU bei einer Landtagswahl hintereinander unter der Vorsitzenden Angela Merkel. Selbst bei den seit Monaten in Umfragen erfolgsverwöhnten Konservativen dürfte das Unmut auslösen. Ganz abgesehen von den Problemen, die FDP-Chef Philipp Rösler am Hals hätte, sollte seine niedersächsische FDP den Einzug in den Landtag verpassen.

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Wer am Sonntagabend Rückenwind bekommt, ist indes offen. Rot-Grün und Schwarz-Gelb liefern sich laut Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die jüngsten Zahlen für die Linkspartei bereiten der SPD allerdings Sorge. Demnach könnte die Linke, die kurzfristig ihre Vizechefin Sahra Wagenknecht in das Rennen zwischen Ems und Weser geschickt hat, in den Landtag einziehen. Linken-Chef Bernd Riexinger gibt sich bereits selbstbewusst und bringt Wagenknecht als Wirtschaftsministerin einer rot-rot-grünen Koalition ins Gespräch. Und er betont mit Blick auf die Bundestagswahl: "Auch Steinbrück kann nur mit der Linken Kanzler werden."

Für Steinbrück sind solche Sätze unangenehm. Als Kanzlerkandidat ist der Ex-Finanzminister einige Kompromisse in seiner Partei eingegangen. Rot-Rot-Grün hat er allerdings besonders vehement abgelehnt. Sollte er eine solche Koalition gutheißen, wäre seine Glaubwürdigkeit endgültig dahin.

(brö/qua)