Stauland NRW: Hier wird es voll

Stauland NRW: Hier wird es voll

Der Verkehr auf den Autobahnen in NRW wird nach Berechnungen des Bundesverkehrsministeriums bis 2025 immer dichter. Für wichtige Schienenprojekte, die Entlastungen bringen könnten, fehlt das Geld. "Der Bund lässt die Pendler in NRW im Stich", heißt es in der Landesregierung.

Berlin/Düsseldorf Die Großräume Köln und Aachen sind nach Prognosen des Bundesverkehrsministeriums in NRW am stärksten von einer Zunahme des Pkw-Verkehrs betroffen. In den Städteregionen wird die Verkehrsbelastung bis 2025 um bis zu 40 Prozent zunehmen. Das geht aus den Ergebnissen einer Bedarfsanalyse hervor, die gestern in Berlin vorgestellt wurde.

Die Regionen Düsseldorf, Duisburg/Essen, Münster und Dortmund müssen mit einem zusätzlichen Verkehrsaufkommen von bis zu 19 Prozent rechnen. Lediglich in Bonn und im Großraum Siegen soll der Zuwachs moderater ausfallen. Besonders dichter Verkehr wird auf den bislang zweispurigen Abschnitten der A 57 zwischen Duisburg und Köln und auf der A 43 zwischen Recklinghausen und Bochum erwartet. Die A 40 zwischen Duisburg und Dortmund gilt im gesamten Bereich als überlastet.

In Düsseldorf lösten die neuen Verkehrsprognosen Besorgnis aus. Wichtige Schienenprojekte wie der Regionalexpress RRX, der zwischen Dortmund und Köln pendeln sollte, stehen vor dem Aus. Der Bund kommt bei seinen Schienenbauvorhaben in eine Finanzklemme. Bei den 29 noch zu bauenden Projekten stehen einem geschätzten Investitionsvolumen von rund 26 Milliarden Euro bis 2025 nur jährliche Haushaltsmittel von etwa 1,2 Milliarden Euro gegenüber. NRW-Verkehrsminister Harry Voigtsberger (SPD) sieht NRW bei der Verteilung der Mittel klar benachteiligt. "Die Pläne des Bundes gefährden die wichtigen Schienenprojekte und werfen uns in der Infrastrukturentwicklung weit zurück", sagte Voigtsberger. Für die Pendler bedeute das "weiterhin Staus, verspätete Züge und steigende Lärmbelastung".

Der Minister sieht nun auch den geplanten Bau des dritten Gleises an der Betuwe-Strecke "auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben". Der Ausbau der nach der niederländischen Grenzregion Betuwe benannten Güterzugstrecke zwischen dem Seehafen Rotterdam und dem Ruhrgebiet ist seit Jahren umstritten. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) setzt auf eine Taktverdichtung ohne eine Verbesserung des Lärmschutzes. "Diese Fehlentscheidung verschlechtert auch die gesellschaftliche Akzeptanz des Güterverkehrs, den wir dringend brauchen", sagte Jochen Ott, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. Die Herabstufung der Betuwe-Linie im Rahmen der Überprüfung des Bundesverkehrswegeplans mache deutlich, dass Ramsauer NRW "nur als Stiefkind" behandele. Großprojekte wie die umstrittene ICE-Trasse um Stuttgart von Wendlingen nach Ulm gelten dagegen weiterhin als wirtschaftlich. Diese Strecke werde auch von Güterzügen genutzt werden, hieß es zur Begründung. Das Verkehrsprojekt "Deutsche Einheit", die ICE-Verbindung Berlin-München, lohnt sich demnach ebenfalls weiter und soll fortgesetzt werden. Die Verbindung wird indes vermutlich eine mehr als 30-jährige Bauzeit haben.

Auf den Autobahnen in NRW staute sich der Verkehr in der vergangenen Woche auf Gesamtlängen zwischen 150 und 314 Kilometern. "Das waren die umfangreichsten Verkehrsstaus seit Beginn der Zählungen vor zehn Jahren", erklärte Christof Rasche, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Düsseldorfer Landtag. "In puncto Stauhäufigkeit ist das Ruhrgebiet absolute Spitze in Deutschland und in Europa auf Platz drei hinter Paris und London", sagt Rasche. Zahlreiche Strecken in NRW hätten bereits jetzt ihre Kapazitätsgrenze erreicht, so dass bereits kleine Störungen zu erheblichen Staus führten. Der Liberale befürchtet, dass es wegen der "unterschiedlichen Ziele von SPD und Grünen erneut zu einem Stillstand in der Verkehrspolitik" kommen wird.

Horst Becker (Grüne), parlamentarischer Staatssekretär im NRW-Verkehrsministerium, weist solche Befürchtungen zurück. Schienen- und Straßenprojekte würden bei den Planungen nicht gegeneinander ausgespielt, sagte Becker unserer Zeitung. Die Landesregierung setzt darauf, die Staus auf den Autobahnen durch einen Ausbau der Verkehrsknoten zu reduzieren. So sei in dieser Woche eine kleinere Maßnahme am Kreuz Hilden fertiggestellt worden. Dort wurde eine zweistreifige Ausfädelung von der A 46 auf die A 3 ermöglicht. "Solche kleineren Maßnahmen werden wir uns jetzt im Vorgriff auf die geplanten großen Umbaumaßnahmen verstärkt vornehmen", erklärte Becker. Bis zum Jahr 2014 sollen die Autobahnkreuze Bielefeld (A 2) , Ratingen-Ost (A 3), Breitscheid (A 52), Aachen (A 4), Essen-Ost (A 40), Bochum-Stahlhausen (A 40), Neuss-Süd (A 46), Neersen ( A 44) und Düsseldorf Süd (A 46) ausgebaut werden.

Entlastung soll außerdem die geplante Einrichtung einer neuen Verkehrszentrale in Nordrhein-Westfalen bringen. Damit soll ab dem Jahr 2013 das Baustellen-Management besser koordiniert werden.

(Rheinische Post)