Hannover: Spitzenkandidatin erteilt Schwarz-Grün Abfuhr

Hannover : Spitzenkandidatin erteilt Schwarz-Grün Abfuhr

Katrin Göring-Eckardt sieht die Union als politischen Hauptgegner, will sich auf dem Parteitag in Hannover aber nicht zur SPD bekennen.

Die Parteitagsdelegierten applaudierten stehend, als die Spitzenkandidaten der Grünen, Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin, in die Kongresshalle in Hannover einziehen. Sie recken die Arme, als wollten sie sagen: So sehen Sieger aus. KGE, wie die Grünen ihre Spitzenkandidatin abkürzen, die Überraschungssiegerin der Urwahl, erhält zuerst das Wort. Sie ist bemüht, ihr Image als Schwarz-Grüne hinter sich zu lassen. Zur SPD will sie sich dennoch nicht bekennen, wie es SPD-Chef Sigmar Gabriel verlangt hat. "Bekenntnisse gibt es nur in der Kirche", sagt sie. "Mit uns wird auf Augenhöhe geredet."

Die härteste Reaktion, die sie auf ihre Wahl bekommen habe, sei von Familienministerin Kristina Schröder gekommen, sagt Göring-Eckardt. Diese sehe Gemeinsamkeiten zwischen der Grünen und der CDU-Politikerin. Das weist Göring-Eckardt weit von sich: "Gestern Betreuungsgeld beschließen und heute an die Grünen ranrobben. Nein, Frau Schröder, das wird nichts. Wir wollen mit grüner Politik schwarze Wähler gewinnen. Aber mit euch regieren wollen wir nicht", ruft sie.

Claudia Roth kann derweil ihre andauernde Enttäuschung über ihre deutliche Niederlage im Wettbewerb um die Spitzenkandidatur nicht verbergen. Seit Tagen tritt die sonst papageienbunt gekleidete Politikerin ganz in Schwarz auf. Während sie früher bei Parteitagen jeden herzte, der in ihre Nähe kam, zeigt sie sich an diesem Tag in sich gekehrt. Bei der Wahl am heutigen Samstag wird sich zeigen, wie groß ihre Reputation in der Partei noch ist. An der Basis ist man zuversichtlich, dass sie mit einem sehr guten Ergebnis zur Parteichefin wiedergewählt wird und am Sonntag wieder in schrillem Fummel erscheint.

Es war Fraktionschef Trittin, der für sich und Göring-Eckardt selbstironisch das Begriffspaar "Darth Vader und Mutter Teresa" prägte. Den Bösewicht, gar den Bürgerschreck wie früher, mag er aber auch nicht mehr spielen. Vielmehr verspricht er seiner Partei, im Wahlkampf "alles zu geben". Als Kostprobe verbreitet er viel Selbstbewusstsein: "Das hat uns schon immer ausgemacht, dass wir immer wussten, wo wir hinwollten", sagt er und listet auf: Atomausstieg, Bioläden, Homo-Ehe, Frauenquote. "Mit unserer Beharrlichkeit haben wir die Mitte der Gesellschaft verändert."

Beim Parteitag geht es vor allem um eine Neuausrichtung der Sozialpolitik. Der Leitantrag sieht vor, den Hartz-IV-Regelsatz von derzeit 374 Euro monatlich auf 420 Euro zu erhöhen. Teile der Partei fordern sogar eine Erhöhung auf 470 Euro.

SPD und Linke macht die schwarz-grüne Option nervös. "Bis jetzt ist noch nicht entschieden, ob die Grünen am Ende der Garant für den Wiedereinzug von Merkel und Co. im Kanzleramt sind, oder ob sie Teil eines Bündnisses für den sozial-ökologischen Umbau werden", sagte Linken-Chefin Katja Kipping. "Ich hoffe sehr, dass die Grünen Schwarz-Grün klar und ohne Hintertür ausschließen."

Parteichef Cem Özdemir versucht, die Debatte bei seiner Eröffnungsrede zu beenden: "Wir lassen uns nicht kirre machen" , ruft er den Delegierten zu, schwört auf den Wahlkampf ein und mahnt alle, sich hinter "der Katrin und dem Jürgen" zu versammeln – gleichgültig, wen sie vorher gewählt haben. "Lasst uns die Republik rocken."

(RP)
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