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Spahn und EU kündigen weitere Hilfslieferungen für Indien an

Corona in Indien : Spahn und EU kündigen weitere Hilfen für Indien an

Die Corona-Pandemie wütet in Indien weiter mit immer höheren Werten bei den täglichen Neuinfektionen. In den vergangenen 24 Stunden haben sich 379.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, wie Zahlen des indischen Gesundheitsministeriums am Donnerstag zeigen. Nun soll es mehr internationale Hilfen geben.

Indien hat am Donnerstag erneut neue Höchstwerte bei den Corona-Neuinfektionen und Todesfällen verzeichnet. Binnen 24 Stunden seien 3645 Todesfälle und fast 380.000 Neuansteckungen gezählt worden, teilte das Gesundheitsministerium in Neu Delhi mit. Demnach sagten mittlerweile bereits mehr als 40 Länder Hilfslieferungen für Indien zu, darunter die USA und Deutschland. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bezeichnete die Lage in Indien als "Worst-Case-Szenario".

Die Gesamtzahl der Corona-Toten in Indien gab das Gesundheitsministerium mit 204.832 an. Experten gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus.

Indien hat sich in den vergangenen Tagen zum Epizentrum der Corona-Pandemie entwickelt. Allein seit Anfang April wurden mehr als sechs Millionen Infektionsfälle verzeichnet. Der dramatische Anstieg der Infektionszahlen ist vermutlich auch auf die neue Virusvariante B.1.617 zurückzuführen, die zuerst in Indien registriert wurde und nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mittlerweile in mindestens 17 Ländern nachgewiesen wurde.

In Deutschland wurden bislang "isolierte Fälle" von Infektionen mit B.1.617 festgestellt, wie der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, am Donnerstag sagte. Für Freitag kündigte er einen Bericht dazu an.

Indiens ohnehin schlecht ausgestattetes Gesundheitssystem ist bereits völlig überlastet. In zahlreichen Krankenhäusern sind Betten, medizinischer Sauerstoff und Medikamente knapp.

Mittlerweile haben mehr als 40 Länder Hilfslieferungen zugesagt, wie der indische Gesundheitsminister Harsh Vardhan Shringla mitteilte. Die Zusagen umfassen demnach unter anderem fast 550 Anlagen zur Erzeugung von medizinischem Sauerstoff, mehr als 4000 Sauerstoffkonzentratoren und 10.000 Sauerstoffflaschen. Auch hunderttausende Dosen antiviraler Medikamente wie Remdisivir sowie Rohstoffe zur Impfstoffherstellung wurden zugesagt.

Die USA kündigten am Mittwoch an, Hilfsgüter im Gesamtwert von 100 Millionen Dollar (knapp 83 Millionen Euro) nach Indien zu schicken. Das erste Flugzeug mit 960.000 Corona-Schnelltests und 100.000 Schutzmasken startete nach Angaben des Weißen Hauses bereits. In den kommenden Tagen sollen unter anderem noch tausend nachfüllbare Sauerstoffflaschen und 1700 Sauerstoffkonzentratoren geliefert werden.

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Angesichts der dramatischen Lage in Indien kündigte Spahn am Donnerstag weitere Corona-Hilfslieferungen an. "Zum Hilfspaket der Bundesregierung trägt das Bundesministerium für Gesundheit Waren im Wert von etwa 50 Millionen Euro bei", sagte der Gesundheitsminister. Dazu gehörten 120 Beatmungsgeräte, Medikamente und Schutzmasken. In Zusammenarbeit mit dem Bundesverteidigungsministerium würden die Hilfsgüter zügig nach Indien ausgeflogen.

Wenn sich das Virus völlig ungehemmt ausbreiten könne, sei dies mit "viel Leid verbunden und mit Bildern, die bei uns allen einen Eindruck hinterlassen", sagte Spahn.

Die EU kündigte am Donnerstag zusätzliche Hilfslieferungen unter anderem von Frankreich, Österreich und Finnland an. Es werde "rund um die Uhr" daran gearbeitet, die Hilfsgüter auf den Weg zu bringen, erklärte der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Janez Lenarcic, in Brüssel. Die Pandemie in Indien einzudämmen, sei "im Interesse aller".

Die indische Regierung will ab Samstag Corona-Impfungen für alle Erwachsenen freigeben. Bislang war Menschen ab 45 Jahren und bestimmten Risikogruppen Priorität eingeräumt worden. Einige indische Bundesstaaten warnen, dass es für die Öffnung der Impfungen nicht genügend Impfdosen gebe.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, hat unterdessen mehr Hilfen und mehr Impfstoff-Exporte aus Europa nach Indien und andere Länder gefordert, in den die Infektionszahlen in die Höhe schießen. „Es ist tragisch, was in Indien geschieht“, sagte Gassen unserer Redaktion. „In dem bevölkerungsreichen Land kollabiert das Gesundheitssystem, das nicht mehr in der Lage ist, die vielen Betroffenen zu versorgen. Es fehlt an fast allem“, sagte der KBV-Chef. „Eine humanitäre Katastrophe droht. Es ist daher ein Gebot internationaler Solidarität, Indien und anderen Ländern in der gleichen Situation zu helfen“, sagte Gassen.

(AFP/mar)