Sorgen in Südwest

Sorgen in Südwest

Der grüne Wahlsieger Winfried Kretschmann atmete Sonntagabend auf und sagte, es sei schon ein gutes Gefühl, wenn man mit dem Bohrer durchs dicke, harte Brett durch sei. Man möchte im Interesse Baden-Württembergs hinzufügen: Hoffentlich macht er als Ministerpräsident weiter nichts kaputt. Denn im Land der Elite-Firmen, Elite-Unis und De-facto-Vollbeschäftigung kann viel zerstört werden durch Regierungs-Laien, die wie Kretschmann erklären, sie seien schließlich mal Mitte der 80er Referent bei Hessens Umweltminister Joschka Fischer gewesen. Diese spezielle "Regierungs"-Erfahrung lässt eher nichts Gutes befürchten.

Andererseits gilt: Dem Neuen eine faire Chance, zumal das abgewählte Alte, die Südwest-CDU, durch Flügelkämpfe längere Zeit gelähmt sein könnte. Die Geschichte von der Regeneration in der Opposition war und ist ohnehin mehr Dichtung als Wahrheit.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen nennt Baden-Württemberg "ihr liebstes Land", weil es ihr am wenigsten Sorgen mache. Das Land ist Tüftlerbüro, Werkbank und Denkerstube. Es hat eine Stützpfeiler-Funktion in Deutschland. Hoffentlich lassen die verständlicherweise Freudetrunkenen bei "Grün-Rot" das nicht außer Acht.

(RP)
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