1. Politik

Bonn: So erlebte Peter Struck den 11. September 2001

Bonn : So erlebte Peter Struck den 11. September 2001

Es war das "blanke Entsetzen", so erinnert sich Peter Struck an die Anschläge vom 11. September 2001. Damals war der SPD-Politiker Fraktionschef seiner Partei, heute, zehn Jahre später, ist Struck Zeitzeuge für ein Ereignis, das die Welt veränderte. Im Gespräch mit unserer Zeitung erinnert sich der ehemalige Verteidigungsminister, wie er von den Anschlägen erfuhr: Er sei gerade dabei gewesen, eine Haushaltsdebatte vorzubereiten, als eine Mitarbeiterin in sein Büro stürmte und den Fernseher einschaltete. "Alle dachten an ein Unglück", erzählt der 68-Jährige. "Erst als das zweite Flugzeug kam, war klar: Das ist ein Anschlag." Sofort habe er mit Gerhard Schröder telefoniert – "doch der saß genau wie ich vor dem Fernseher."

Welche Tragweite die Anschläge entwickeln sollten, dass ihnen zwei Kriege folgen würden, sei der Regierung anfänglich nicht bewusst gewesen, sagt Struck. Rückblickend gibt er zu: "Die ersten Tage waren hochemotional, an die politischen Folgen haben wir zunächst kaum gedacht." Daher auch seine erste Reaktion im Bundestag, wo er bekundete: "In dieser Stunde sind wir alle Amerikaner." Die Reaktion von Schröder, den USA die "uneingeschränkte Solidarität Deutschlands" zu versichern, sei dagegen politisch überlegt gewesen. "Uns war nur überhaupt nicht bewusst, wie weit dieses Versprechen gehen sollte", sagt Struck. Denn von einem Krieg gegen den Terror sei zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Rede gewesen.

Struck, der 2009 aus der Bundespolitik ausschied und im vergangenen Jahr zum Vorsitzenden der Bonner Friedrich-Ebert-Stiftung ernannt wurde, kann heute offen sprechen über die damaligen Ereignisse, erzählt auch von persönlichen Gefühlen, etwa als er bei der Gedenkminute im Bundestag ein Flugzeuggeräusch hörte. "Das war ein angstvoller Moment", sagt er. "Mir wurde klar: Die Bedrohung ist da, solch ein Flugzeugattentat kann auch uns treffen. Daran hatte doch vorher niemand gedacht."

Auch dass ein Land wie Afghanistan, immerhin 6000 Kilometer von der Bundesrepublik entfernt, so in den Fokus rücken würde, sei nicht absehbar gewesen. Zu seinem Statement, Deutschland werde am Hindukusch verteidigt, steht Struck heute noch. Es dürfe nicht sein, dass von bestimmten Staaten Terrorismus ausgehe, meint Struck. Um bestimmte Sprachregelungen zu den Kampfeinsätzen muss er sich heute nicht mehr kümmern. Seiner Einschätzung nach hat schon "seit etwa 2007" Krieg in Afghanistan geherrscht.

Stolz ist Struck nach wie vor auf das "Nein" der Bundesregierung zum Irak-Krieg: "Afghanistan war ein Nato-Bündnisfall, Irak ein Abenteuer der USA."

(RP)