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Persönlich: Silvio Berlusconi . . . kämpft um seinen Ruf

Persönlich : Silvio Berlusconi . . . kämpft um seinen Ruf

Jeden Freitag muss Italiens viermaliger Ministerpräsident Silvio Berlusconi in einem Altenheim anrücken, um seine Strafe in Sozialarbeit mit Alzheimer-Patienten abzuleisten. Auch gestern hatte die Polizei das Gelände der Stiftung "Sacra Famiglia" abgesperrt. Nur das Personal, die Patienten und Berlusconi haben Zutritt zum Gelände. Dabei sollte der 77-Jährige gestern in Mailand sein - zum Berufungsprozess im Fall "Ruby". Doch der angeklagte Politiker und Medienzar kam nicht zur Eröffnung seines Prozesses. Berlusconi werde im Gerichtssaal anwesend sein, "falls seine Präsenz notwendig sein wird", sagte sein Verteidiger Franco Coppi in einer Verhandlungspause.

Berlusconi wurde in erster Instanz wegen Amtsmissbrauch und der Prostitution Minderjähriger zu sieben Jahren Haft verurteilt. Es geht um die "Bunga-Bunga"-Feste, die nach der Lesart des Angeklagten nur unterhaltsame Abendessen von ein paar älteren Männern und vielen jungen Damen waren. Die Richter aus der ersten Instanz erkannten hingegen ein System der Prostitution, in dem auch die junge Marokkanerin Karima el Marough alias Ruby Rubacuori eine tragende Rolle spielte. Der damalige Ministerpräsident hatte sich telefonisch eingeschaltet und ihre Freilassung gefordert, weil er geglaubt habe, Ruby sei eine Nichte des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak. Bestätigt das Berufungsgericht die in erster Instanz verhängte Strafe, wird Italiens umstrittenster Politiker endgültig von der politischen Bildfläche verschwinden. Sein Dasein müsste Berlusconi dann als knapp 80-Jähriger für Jahre im Hausarrest im goldenen Käfig seiner Villa in Arcore fristen. Berlusconi hat schon bessere Tage erlebt. Außer dem Ruby-Prozess muss sich Berlusconi noch wegen Bestechung von Abgeordneten und Bestechung von Zeugen verantworten. Es wird ein kurzer Prozess: Bereits am 18. Juli zieht sich die Kammer zur Urteilsberatung zurück.

Julius Müller-Meiningen

(RP)