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Brüssel: Silvana Koch-Mehrin gibt auf

Brüssel : Silvana Koch-Mehrin gibt auf

Wochenlang hat sie hartnäckig zu allen Plagiatsvorwürfen geschwiegen. Bis gestern Abend. Da gab die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin ihren Rücktritt von allen Ämtern "mit sofortiger Wirkung" bekannt. Zu groß war der Druck geworden, als durchsickerte, dass die Uni Heidelberg ihr wohl den Doktortitel aberkennen wird, weil sie Teile ihrer Dissertation abgekupfert hat. Künftig ist die 40-Jährige Vorzeige-Liberale weder Vizepräsidentin des Europaparlaments noch Mitglied im Präsidium der FDP. Nur einfache Europa-Abgeordnete will sie bleiben.

Der Paukenschlag kam rechtzeitig vor dem Bundesparteitag der FDP. Lange hatte die "Ziehtochter" von Guido Westerwelle als Hoffnungsträgerin auch für die Berliner Bühne gegolten. Das dürfte nun vorbei sein. Sie hoffe, "dadurch meiner Partei den Neuanfang mit einem neuen Führungsteam zu erleichtern", teilte die dreifache Mutter, gestern mit. Nach Rostock will sie nicht reisen.

Die Internet-Plattform "VroniPlag Wiki" hatte vor ein paar Wochen die Affäre ins Rollen gebracht. Laut den Plagiatsjägern kopierte die 40-Jährige in ihrer Doktorarbeit über die Lateinische Münzunion auf 56 von 201 Textseiten Stellen aus 15 verschiedenen Quellen, die nicht "hinreichend als Zitat gekennzeichnet wurden". "Dies stellt eine eklatante Verletzung wissenschaftlicher Standards dar", lautet das Fazit der Internet-Sucher.

Die Uni-Heidelberg leitete daraufhin ein Prüf-Verfahren ein, das noch nicht abgeschlossen ist. Doch in Medienberichten hieß es bereits, die Uni wolle der Vorzeige-Liberalen den Titel entziehen.

"Ich möchte, dass diese Prüfung nun vertraulich, fair, nach rechtsstaatlichen Maßstäben und ohne Ansehen der Person durchgeführt und nicht dadurch belastet wird, dass ich herausgehobene Ämter innehabe", teilte Koch-Mehrin gestern Abend mit. Ihr Sprecher sagte, sie sei verärgert, dass Einzelheiten aus dem laufenden Prüfungsverfahren öffentlich geworden sind.

Die dreifache Mutter wohnt mit ihrem irischen Lebensgefährten in Brüssel. Sie wolle mit diesem Schritt verhindern, dass ihre Familie durch die öffentliche Diskussion weiter belastet werde, so Koch-Mehrin. Bisher hatte sie mit Öffentlichkeit wenig Probleme. Sie inszenierte sich liebend gerne als Vorzeige-Frau der Liberalen. Sie moderierte eine eigene Fernseh-Show, ließ sich kaum einen Foto-Termin entgehen. Selbst ihren Baby-Bauch stellte sie in Boulevard-Blättern zur Schau.

Der Doktortitel sollte dem schönen Gesicht der FDP das nötige Stück Seriosität und intellektuelles Gewicht geben. Darüber ist Silvana Koch-Mehrin jetzt gestolpert.

(RP)