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Sigmar Gabriel beklagt: Bisher kaum Bewerbungen für SPD-Vorsitz

SPD sucht neuen Chef : Sigmar Gabriel: „Der SPD-Vorsitz wird fast schon wie ein infektuöses Kleidungsstück behandelt“

Der frühere SPD-Chef beklagt das geringe Interesse für den Parteivorsitz. Mit Nina Scheer und Karl Lauterbach gibt es jetzt immerhin ein zweites Bewerber-Duo.

(mar) Der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat beklagt, dass sich bisher kaum Sozialdemokraten für den Parteivorsitz bewerben. „Ich sehe das mit großer Verzweiflung und auch wachsendem Zorn, wie der Vorsitz der SPD fast schon wie ein infektiöses Kleidungsstück behandelt wird, das sich niemand ins Haus holen will“, sagte Gabriel der „Bild am Sonntag“. „Scheinbar denken viele immer nur über die Frage nach, ob ihnen der SPD-Vorsitz nutzt oder schadet.“ Gabriel stand der SPD von 2009 bis 2017 vor. „Ich erhoffe mir sehr, dass Menschen, die ihre gesamte Karriere nur der SPD verdanken, unserer Partei jetzt auch was zurückgeben.“

Interessenten für den SPD-Vorsitz haben noch bis zum 1. September Zeit, ihren Hut in den Ring zu werfen. Bislang haben dies nur die beiden Duos Michael Roth, derzeit Staatsminister im Auswärtigen Amt, und Christina Kampmann, die frühere nordrhein-westfälische Familienministerin, sowie Karl Lauterbach und Nina Scheer getan. Andere mögliche Kandidaten für die Nachfolge der zurückgetretenen Andrea Nahles halten sich noch zurück.

Der Gesundheitspolitiker Lauterbach (56) und die Umweltpolitikerin Scheer (47) hatten ihre Kandidatur am Freitag bekannt gegeben. „Unsere Politik muss wieder schlicht nichts anderes als sozialdemokratisch sein und darf nicht immerfort für einen hohen Preis dem Pragmatismus bis zur Selbstverleugnung ausgeliefert werden“, betonten die beiden Parlamentarier vom linken Parteiflügel in ihrem Bewerbungsschreiben. Beide wollen die SPD weiter nach links rücken und werben für einen Ausstieg der SPD aus der Koalition mit der Union. Scheer, Tochter des renommierten SPD-Umweltpolitikers Hermann Scheer, ist SPD-Kreisvorsitzende in Schleswig-Holstein und sitzt seit 2013 im Bundestag. Sie ist Mitglied der Grundwertekommission beim Parteivorstand. Lauterbach ist seit 2005 Bundestagsabgeordneter. Seinen Wahlkreis in Leverkusen und Köln-Mülheim hatte der Mediziner und Arbeitersohn direkt gewonnen.

 Andere mögliche Kandidaten für die Nachfolge der zurückgetretenen Andrea Nahles halten sich noch zurück. „Natürlich mache auch ich mir Gedanken. Aber alles zu seiner Zeit“, sagte etwa Generalsekretär Lars Klingbeil. Auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hat sich nach eigener Aussage noch nicht festgelegt. (mit dpa)