Berlin: "Sigmar, du musst es auch wollen"

Berlin : "Sigmar, du musst es auch wollen"

Was SPD-Chef Gabriel dem "Stern" über seine Entscheidung verriet.

Das Interview, in dem SPD-Chef Sigmar Gabriel seine Zukunftspläne darlegt, war ein Paukenschlag - auch für die eigene Partei. Glaubt man seinen Ausführungen, stand vieles schon lange fest. Auszüge aus seinen Äußerungen:

Über private Gründe

"Eigentlich habe ich bereits im letzten Sommer angefangen, darüber nachzudenken. Im März werde ich noch mal Vater. Ich habe dann drei Töchter und eine berufstätige Frau. Mit meiner kleinen Tochter ist mir bewusst geworden, wie alt ich bin. Wenn die 20 ist, bin ich - so Gott will - über 70. Es mag seltsam klingen, aber ich habe in den letzten Jahren viel über die Begrenztheit des Lebens nachgedacht."

Über politische Gründe

"Es war übrigens Hannelore Kraft, die mich letztlich dazu gebracht hat, mir darüber klar zu werden. Es bestand gar kein Zweifel daran, dass sie auch für meine Kanzlerkandidatur die größte Stütze gewesen wäre. Aber deshalb habe ich genau hingehört, als Hannelore Kraft vor längerer Zeit mal zu mir gesagt hat: Sigmar, du musst es aber auch mit ganzer Kraft wollen. Sie kennt mich gut, und wir beide haben ein sehr offenes und vertrauenvolles Verhältnis. Sie hat wohl gespürt, dass sich da etwas verändert hat bei mir."

Über die große Koalition

"Wir Deutschen haben eine großartige humanitäre Leistung mit der Aufnahme von knapp einer Million Flüchtlingen vollbracht. Dazu stehen wir Sozialdemokraten auch, und dass Angela Merkel den Mut dazu hatte, wird als historische Leistung bleiben. Aber die Naivität, vielleicht auch den Übermut, mit der das erfolgt ist, habe ich nie für richtig erklärt. Angela Merkel hat eben Deutschland und Europa in dieser Frage in eine Sackgasse geführt."

Über die SPD

"Die SPD braucht einen Kanzlerkandidaten, hinter dem sich die ganze SPD versammelt und für ihn und die gemeinsamen Ziele kämpft. Die letzten sieben Jahre musste ich fast jeden Konflikt in der SPD alleine durchkämpfen. Manchmal war das so wie auf dem Hochseil: Alle stehen unten und sehen zu, ob man runterfällt und wie tief. Und manchmal rüttelt sogar noch einer am Seil und schaut mal, ob man oben bleibt. Damit ist jetzt Schluss."

(RP)
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