Persönlich: Siegfried Kauder verlässt nun doch die CDU

Persönlich : Siegfried Kauder verlässt nun doch die CDU

Die legendären Gebrüder Jochen (SPD) und Bernhard (CDU) Vogel haben sich trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeit stets gut miteinander verstanden. Bei den Gebrüdern Volker und Siegfried Kauder ist das anders: Sie haben sich politisch nichts mehr zu sagen, obwohl sie beide bis vorgestern, bis zu Siegfried Kauders Austritt aus der Partei, der CDU angehörten.

Der in Baden-Württemberg spielende Fall des Siegfried Kauder (62), des um zwei Jahre jüngeren Bruders des Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, wäre um ein Haar ein langwieriger, possenhafter Fall für die politische Schwarzwaldklinik geworden. Doch der jüngere Kauder, der es in Berlin bis zum Vorsitzenden des Bundestags-Rechtsausschusses gebracht hatte, setzte zur Freude seines älteren Bruders und einer aufatmenden Union im Südwesten nicht weiter auf den Klageweg gegen seinen unabwendbaren Rauswurf aus der Union.

Siegfried Kauder, der gegen den Vorwurf von Partei-"Freunden", er verhalte sich "wesensverändert", Testate körperlicher und geistiger Fitness präsentiert hatte, war bei der Bundestagswahl als Noch-Christdemokrat, aber unabhängiger Erststimmenbewerber im Wahlkreis Schwarzwald-Baar eklatant gescheitert. Er bekam nur drei Prozent der Erststimmen; der offizielle, 40 Jahre junge CDU-Wahlkreiskandidat Thorsten Frei hatte Siegfried Kauder mit 56,7 Prozent deklassiert.

Die Nominierung des CDU-Hoffnungsträgers Frei (OB von Donaueschingen) gegen den zuletzt etwas wunderlich agierenden Wahlkreis-Platzhirschen Siegfried Kauder hatte bei Letzterem zu einer Mischung aus Bitterkeit und Renitenz geführt. Durch sein Trotzkopf-Verhalten "Wenn die CDU mich nicht mehr will, kandidiere ich eben als Unabhängiger" nahm er billigend in Kauf, die eigene Partei im Wahlkreis zu schädigen — ein klassisches Fehlverhalten, auf das es nur eine Antwort gegeben hätte: Ausschluss aus der Partei.

(RP)
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