Gesundheitspolitik: Sieben Krankenkassen wollen Beiträge senken

Gesundheitspolitik : Sieben Krankenkassen wollen Beiträge senken

Die Krankenkassen in Deutschland können ab dem nächsten Jahr ihren Beitragssatz selbst bestimmen. Von ihren Überschüssen werden darum Millionen Versicherte profitieren. 2015 wollen nach Informationen unserer Redaktion sieben Kassen ihre Beiträge senken - doch perspektivisch dürfte es für Versicherte teurer werden.

Mindestens sieben gesetzliche Krankenkassen wollen im kommenden Jahr voraussichtlich ihren Beitragssatz senken. Das ergab eine Umfrage unserer Redaktionen bei den Kassen. Zu den Kassen, die eine Beitragssatzsenkung in Aussicht stellen, zählen die Techniker Kasse mit 8,8 Millionen Versicherten, die Big direct, die HKK, die Knappschaft und drei Kassen aus dem BKK-Verband.

Grund für die mögliche Beitragssatzsenkung ist die Finanzreform für die gesetzlichen Krankenkassen. Bislang gilt ein für alle Kassen einheitlicher Beitragssatz von 15,5 Prozent, der durch die Regierung festgelegt wurde. Davon tragen derzeit die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer jeweils 7,3 Prozent. Die Arbeitnehmer müssen zusätzlich weitere 0,9 Prozent von ihrem Einkommen für die Versicherung des Zahnersatzes zahlen. Ab dem 1. Januar 2015 sollen die Kassen die Höhe des Beitragsanteils, der alleine von den Arbeitnehmern finanziert wird, selbst bestimmen können.

Gesundheitsfonds mit 16 Milliarden Überschuss

Ob und wann einige Kassen ihren Beitragssatz erhöhen müssen, ist offen. Aktuell haben die meisten Krankenkassen dank der guten konjunkturellen Lage dicke Finanzpolster. Allein bei den Kassen liegen rund 13 Milliarden Euro Reserven. Der Gesundheitsfonds, der für die Kassen das Geld einsammelt und nach Alter und Krankheit der Versicherten wieder zuteilt, verfügt zusätzlich über Überschüsse von 16 Milliarden Euro.

Der Münchner Gesundheitsökonom Günter Neubauer rechnet damit, dass keine Krankenkasse den Beitragssatz zu Beginn des nächsten Jahres im Vergleich zu heute erhöhen wird. "Zum 1. Januar 2015 werden viele Krankenkassen noch Überschüsse haben, über die sie frei verfügen können", sagte Neubauer unserer Redaktion. "Das werden einige nutzen, um mit einem niedrigeren Beitragssatz als heute in den Wettbewerb zu gehen."

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Perspektivisch wird es teurer

Festlegen wollen sich die Kassen aber noch nicht. Sie weisen darauf hin, dass sie die Prognosen des Schätzerkreises zu den Einnahmen und Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung im Herbst abwarten. Zu den Kassen, die keine Tendenz verraten, gehören die Barmer GEK, die AOK Rheinland, die DAK Gesundheit, die IKK Klassik, die Deutsche BKK und die Bahn-BKK. Zu den kleineren Kassen die voraussichtlich ihren Beitragssatz senken können, zählen die BKK Firmus, die BKK VDN und die BKK VDU. Die Kaufmännische Krankenkasse rechnet damit, dass sich ihr Beitragssatz auf dem heutigen Niveau bewegen wird.

Perspektivisch wird es aber teurer für die Kassen-Mitglieder: Ökonom Neubauer geht davon aus, dass alle Kassen ab 2017 einen höheren Beitrag verlangen werden. "Vermutlich wird der durchschnittliche Beitragssatz dann bei 16,0 Prozent liegen. Wenn alle Kassen erhöhen, dann ist der Anreiz zum Wechseln für die Versicherten auch nicht sehr hoch", sagte der Ökonom unserer Zeitung.

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(qua, das)