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Gewalt im Nahen Osten: Scharfschütze: Soldaten schießen Demonstranten gezielt in den Kopf

Gewalt im Nahen Osten : Scharfschütze: Soldaten schießen Demonstranten gezielt in den Kopf

Tel Aviv (dpa). Ein israelischer Scharfschütze hat in einem Zeitungsinterview bestätigt, dass israelische Soldaten palästinensischen Demonstranten gezielt in den Kopf schießen. "Wenn man einem Scharfschützen sagt, er solle schießen, dann ist das Bestreben, den Kopf zu treffen", sagte der namentlich nicht genannte Schütze in einem Interview der israelischen Zeitung "Haaretz" vom Montag. "Denn wenn ein Scharfschütze feuert, will er mit Sicherheit töten." Geschossen werde auf jeden Palästinenser, der eine Waffe trage oder dabei sei, einen Brandsatz zu werfen.

Die Scharfschützen hätten Anweisungen, nicht auf Kinder zu schießen, betonte der Mann im Gespräch mit der angesehenen Reporterin Amira Hass. Er definierte Kinder allerdings als "Menschen unter zwölf (Jahren)". "Über zwölf ist es erlaubt, das ist kein Kind mehr", sagte der Scharfschütze. Man habe etwa zehn Sekunden, um das Alter des Palästinensers im Fadenkreuz zu schätzen. Es komme vor, dass Kinder durch "dumme Fehler" eines israelischen Soldaten getötet würden.

Es gebe keine durchgängigen Anweisungen über das Eröffnen des Feuers. "Die Anweisungen ändern sich jeden Tag, manchmal mehrmals an einem Tag." Wenn es auf der israelischen Seite Verluste gegeben habe, "dann darf man mehr schießen". Man bemühe sich, die Zahl der Toten auf der palästinensischen Seite zu begrenzen. "Sechs Tote, das ist normal, es könnten viel mehr sein." Seiner Ansicht nach wäre es jedoch falsch, nur zu verletzten statt zu töten. "Wenn man entscheidet, die Leute nur zu verletzen, dann wird es insgesamt mehr Verletzte geben, und die Frage ist, ob das gut ist. Verletzungen fachen den Zorn viel mehr an."

Nach offizieller Anweisung der israelischen Armee dürfen Soldaten nur töten, wenn ihr eigenes Leben in Gefahr ist. Der Armee-Sprecher wirft der palästinensischen Autonomiebehörde vor, zynisch Kinder im Kampf gegen Israel einzusetzen: "Wer nicht will, dass seine Kinder zu Schaden kommen, darf sie nicht an eine Front schicken, an der ein Krieg geführt wird."

(RPO Archiv)