Persönlich: Sahra Wagenknecht . . . will Gysis Einfluss halbieren

Persönlich : Sahra Wagenknecht . . . will Gysis Einfluss halbieren

Sie gehört zu den telegensten und zugleich schillerndsten Figuren der Linken, ist in Talkshows eloquente Verfechterin einer sozialistischen Alternative und macht auch in Hochglanzmagazinen mit ihrem prominenten Lebensgefährten Oskar Lafontaine (71) eine gute Figur. Nun will Sahra Wagenknecht (45) auch in der Politik auf der Karriereleiter eine Stufe weiter: Im Herbst müsse die Fraktion, einer Erwartung der Partei entsprechend, eine Doppelspitze einführen, mahnte Wagenknecht zum Auftakt einer Fraktionsklausur an.

Zuvor hatte sich die Noch-Vizevorsitzende bereits inhaltlich von Noch-Alleinchef Gregor Gysi (67) distanziert. Sie widersprach seiner Offerte an SPD und Grüne zu ernsthaften Gesprächen über eine Koalition 2017. Solange SPD-Chef Gabriel für die gleiche Politik stehe wie CDU-Kanzlerin Merkel, seien "irgendwelche Arbeitsgruppen zu Rot-Rot-Grün relativ sinnlos".

Als einstige Vorkämpferin der Kommunistischen Plattform verstand es Wagenknecht ("Freiheit statt Kapitalismus"), Vorbehalte gegen ihre wahren Ziele zu schüren. Dabei erweist sie sich schon seit jungen Jahren als selbstbewusst mit eigenem Kopf: Weil sie in der DDR den Wehrunterricht torpedierte, durfte sie nicht studieren, bekam einen Job als Sekretärin vorgeschrieben, den sie trotz ungesicherter Finanzen kündigte. Gleichwohl trat sie im Wendejahr in die SED ein, weil sie die DDR von innen reformieren wollte.

In Jena als Tochter einer Deutschen und eines Iraners geboren, in erster Ehe mit einem Iren immer mal wieder in dessen Heimat wohnend, langjährige EU-Abgeordnete in Brüssel, ist die Düsseldorfer Wahlkreiskandidatin (9,1 Prozent) nun im saarländischen Silwingen zu Hause. Wenn eine Mehrheit hinter ihr steht, will sie im Herbst Co-Fraktionschefin werden. Bisher hat Gysi das wiederholt abwenden können. Und ans Aufhören denkt er auch jetzt noch nicht: "Ich bin doch topfit!"

(RP)