Irak-Dossier im Unterhaus vorgelegt: Saddam hat laut Blair "in ein bis zwei Jahren" die Atombombe

Irak-Dossier im Unterhaus vorgelegt : Saddam hat laut Blair "in ein bis zwei Jahren" die Atombombe

London (rpo). Premier Tony Blair hat am Dienstag im britischen Unterhaus ein Irak-Dossier über das vermutete Waffenarsenal von Saddam Husseins vorgelegt. Daraus geht hervor, dass der Irak "innerhalb von ein oder zwei Jahren" im Besitz einer Atombombe sein könnte.

Der britische Premierminister Tony Blair hat den Irak am Dienstag der fortgesetzten Produktion von Massenvernichtungswaffen beschuldigt. Bagdad finanziere die heimliche Aufrüstung mit "illegalen Einnahmen" in Höhe von etwa drei Milliarden US-Dollar (3,2 Milliarden Euro) aus dem UN- Programm "Öl für Lebensmittel". In einem von der britischen Regierung vorgelegten Dossier heißt es, der Irak habe den "Willen und die Bereitschaft", seine chemischen und biologischen Waffen auch einzusetzen. Sein Raketenprogramm bedrohe die Nachbarländer.

Nach Uran-Käufen in Afrika sei zu erwarten, dass Saddam "innerhalb von zwei Jahren" im Besitz einer Atombombe sein könnte, heißt es in dem Bericht. Auch bei neuen Waffeninspektionen der UN werde er versuchen, Teile seines Arsenals vor den Experten "zu verstecken". Der Irak wies das 55-seitige Dossier Blairs als "Lügenkampagne" zurück.

Unterdessen mehren sich die Stimmen, die vor einem Angriff auf den Irak warnen. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac sagte nach Abschluss des 4. ASEM-Gipfels von 15 EU- und 10 asiatischen Staaten in Kopenhagen, ein Krieg gegen den Irak sei nicht unvermeidbar und mahnte: "Lasst uns dem Frieden eine Chance geben." Krieg sei stets die schlechteste aller Lösungen. Chirac sagte, er werde "totalen Widerstand" gegen eine neue US-Strategie mit vorbeugenden Militärschlägen leisten. Diese könne zu "schlimmsten Exzessen" führen.

Al Gore übt Kritik an Irak-Plänen

Als einer der ersten einflussreichen US-Politiker übte auch der ehemalige Vizepräsident Al Gore scharfe Kritik an den Irak-Plänen des Weißen Hauses. Gore warnte am Montag (Ortszeit), die harte Haltung von Präsident George W. Bush bedrohe die internationale Koalition, die nach dem 11. September im Kampf gegen den Terror gebildet wurde.

Er warf Bush in einer Rede in San Francisco indirekt vor, sich deshalb jetzt ganz auf Saddam Hussein zu konzentrieren, weil es einfacher sei, den irakischen Diktator aufzuspüren als Osama bin Laden. Die USA sollten sich besser darauf konzentrieren, die Schuldigen der Anschläge vom 11. September zu finden, von denen die meisten noch immer nicht gefasst seien.

Der irakische Präsident Saddam Hussein versucht inzwischen die Araber gegen eine neue UN-Resolution über die Waffeninspektionen zu mobilisieren. Am Dienstag überreichte Außenminister Nadschi Sabri in Kairo dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak eine entsprechende Botschaft. Die US-Regierung und der britische Premierminister Tony Blair versuchten mit ihrem Ruf nach einer neuen Resolution derzeit, "die Dinge komplizierter zu machen", sagte Sabri vor der Presse in Kairo. "Damit machen sie auch die Aufgabe der Waffenkontrolleure nicht einfacher." Der Irak habe der Rückkehr der UN-Inspekteure zugestimmt und sehe deshalb keinen Bedarf für eine weitere Resolution. Sabri forderte die UN auf, die amerikanischen und britischen Kontrollflüge über dem Südirak zu stoppen.

China will einen eventuellen UN-Resolutionsentwurf "prüfen", der den Einsatz von Gewalt gegen den Irak vorsieht, falls Bagdad nicht mit den UN-Waffeninspekteuren zusammenarbeitet. Die Sprecherin des Pekinger Außenministeriums, Zhang Qiyue, sagte: "Ich denke, wenn es einen solchen Resolutionsentwurf gibt, sind wir bereit, ihn zu prüfen."

Westliche Diplomaten rechneten damit, dass sich der Weltsicherheitsrat möglicherweise schon an diesem Dienstag oder Mittwoch informell mit dem von den USA und Großbritannien vorbereiteten Entwurf für eine neue Irak-Resolution befassen könnte. Die Resolution soll nach den Vorstellungen der USA bis zur Zusammenkunft des UN-Chefinspekteurs Hans Blix mit den irakischen Vertretern am kommenden Montag in Wien verabschiedet werden.

(RPO Archiv)
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