Essen: RWE streicht Tausende Stellen in NRW

Essen: RWE streicht Tausende Stellen in NRW

In der Kraftwerkssparte soll fast jede fünfte Stelle wegfallen. Kündigungen sind nicht ausgeschlossen. Zudem will RWE die Dividende halbieren. Der NRW-Wirtschaftsminister fordert Staatshilfe für Kraftwerke.

Der zweitgrößte deutsche Energiekonzern reagiert mit einem massiven Sparkurs auf die Branchenkrise. In der Kraftwerkssparte ("RWE Generation") will RWE-Chef Peter Terium fast jede fünfte Stelle streichen: 3000 bis 3500 Arbeitsplätze sollen hier wegfallen, heißt es in Gewerkschaftskreisen. Besonders betroffen ist Nordrhein-Westfalen, wo sich die meisten RWE-Kraftwerke befinden. Hier stehen viele dauerhafte oder vorübergehende Stilllegungen an: Ältere Braunkohle-Blöcke im rheinischen Revier, zwei Steinkohle-Blöcke in Hamm und Teile des Gersteinwerks (Gas) sind bereits vom Netz, Turbinen in Weisweiler werden im Herbst folgen. Frimmersdorf (Braunkohle) und Westfalen (Steinkohle) stehen unter "intensiver Beobachtung".

RWE und Gewerkschaften haben sich nun auf einen Sozialplan für die Kraftwerkssparte geeinigt. Danach sollen die Stellen über Altersteilzeit und Abfindungen abgebaut werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind erstmals nicht ausgeschlossen, wenn Mitarbeiter einer Versetzung im Konzern nicht zustimmen. Das geht aus einer Information der Betriebsräte hervor. Der Konzern wollte sich nicht äußern.

RWE hat damit einen wesentlichen Teil seines Abbauplans konkretisiert. Insgesamt will der Konzern mehr als 10 000 seiner 70 000 Arbeitsplätze streichen. Er leidet unter den Folgen der Energiewende. Wegen der Ökostrom-Förderung sind die Großhandelspreise binnen zwei Jahren um ein Drittel eingebrochen. Viele konventionelle Kraftwerke wurden unrentabel, obwohl Gas- und Kohleanlagen zur Versorgungssicherheit nötig sind. Fast die Hälfte der RWE-Kraftwerke verdienen ihre Kapitalkosten nicht mehr.

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NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) reagierte besorgt. "Die dramatische Lage bei RWE zeigt, dass die Energiewende ohne staatliche Hilfe für Kohlekraftwerke nicht gelingen kann", erklärte Duin. Er fordert Staatshilfe für die unter der Energiewende leidenden Kraftwerke: "Wir brauchen finanzielle Unterstützung für bewährte konventionelle Kraftwerke wie die von RWE."

Herbe Einschnitte kommen auch auf die Aktionäre zu. Terium will die Dividende für das Jahr 2013 auf einen Euro pro Aktie kürzen. Im Jahr 2012 hatte RWE noch zwei Euro gezahlt. Die Kürzung sorgt für Ärger bei den Kommunen, die knapp 25 Prozent an RWE halten. Sie hatten für 2012 noch rund 300 Millionen Euro an Dividende eingestrichen. Die Halbierung trifft unter anderem Städte wie Dortmund, Essen und Mülheim. Dennoch stellte sich der Aufsichtsrat gestern mehrheitlich hinter die Pläne des Vorstands und segnete auch die dauerhafte Kürzung der Dividende ab: Bisher hatte RWE 50 bis 60 Prozent seines nachhaltigen Nettogewinns ausgeschüttet, ab 2014 sollen es nur noch 40 bis 50 Prozent sein, wie RWE gestern Abend mitteilte.

Heute berät der Aufsichtsrat weitere Sparmaßnahmen. Terium will den verbleibenden Mitarbeitern drei Jahre lang eine Nullrunde verordnen. Diese soll Management und Kraftwerks-Arbeiter gleichermaßen treffen. Die Gewerkschaften reagierten erzürnt. "Das kommt nicht in die Tüte", erklärte Peter Hausmann, Vorstand der IG BCE. Verdi erklärte, eine Nullrunde würden man niemals mittragen.

(RP)
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