Russischer Waffenhändler an USA ausgeliefert

Russischer Waffenhändler an USA ausgeliefert

Alles ging ganz schnell. Nicht einmal drei Stunden nach der Entscheidung der thailändischen Regierung, den weltweit gesuchten russischen Waffenhändler Viktor But an die USA auszuliefern, saß der als "Händler des Todes" bekannte Dealer schon in einem US-Flugzeug. Der 43-Jährige wird sich nun vor einem amerikanischen Gericht wegen Verschwörung zum Mord an US-Bürgern und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verantworten müssen. In Russland rief die Nacht-und-Nebel-Aktion der Thailänder wütende Proteste hervor.

Viktor But alias Viktor Bulakin, auch bekannt als Wadim Aminow, gilt als größter Waffenhändler der Welt. Auf der internen Fahndungsliste der US-Geheimdienste stand er an zweiter Stelle – gleich nach Osama bin Laden. Angeblich hat in den vergangenen Jahrzehnten kein bewaffneter Konflikt in Afrika, Südamerika, dem Nahen Osten und Asien stattgefunden, an dem But nicht mit Waffenlieferungen verdiente. Noch zu Sowjetzeiten beim Militärgeheimdienst ausgebildet, sah But nach dem Ende der Sowjetunion seine Chance im Waffenhandel. Er erwarb eine Flotte alter russischer Frachtflugzeuge und versorgte die Kriegsparteien in Krisengebieten mit Waffen und Rüstungsgütern. Ein Millionengeschäft. Filmreif noch dazu: Das Leben des Viktor But diente bereits im Jahr 2005 als Vorlage für den Streifen "Lord of War – Händler des Todes" mit Nicolas Cage.

Im März 2008 war But in Thailand US-Agenten ins Netz gegangen. Die Amerikaner hatten sich als Unterhändler der kolumbianischen Farc-Rebellen ausgegeben und vorgetäuscht, Waffen einkaufen zu wollen. But ging auf den Deal ein. Mehr als zwei Jahre schmorte er im thailändischen Gefängnis. Nun entschied Bangkok im Eilverfahren über seine Abschiebung. Bewaffnete Polizisten brachten den Russen aus einem Hochsicherheitsgefängnis zum Flughafen. Weil Anschläge auf den Gefangenentransport befürchtet wurden, sicherten Scharfschützen die Fahrtroute.

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Moskau reagierte empört auf die Abschiebung. "Es ist bedauerlich, dass die Führung Thailands dem politischen Druck von außen nachgegeben und die ungesetzliche Abschiebung verfügt hat", hieß es in einem Statement des Außenministeriums. Russlands Chefdiplomat Sergej Lawrow hatte sich mehrfach öffentlich für But eingesetzt und versucht, seine Abschiebung in die USA zu verhindern.

Nach Ansicht von Insidern in Moskau genießt But in Russland Protektion aus höchsten Kreisen – anders wären seine Waffengeschäfte gar nicht denkbar gewesen. Es könnte also brisant werden, sollte But vor einem US-Gericht auspacken. Vertreter des russischen Parlaments monierten, die Entscheidung der thailändischen Regierung zeuge von "der niedrigen Autorität Russlands in der internationalen Arena". Es stehe sogar zu befürchten, dass der Waffenhändler in den USA gefoltert würde, damit er Details preisgibt. But hat alle Vorwürfe stets bestritten und beteuert, er betreibe ein normales Luftfracht-Unternehmen. Im Falle eines Schuldspruches droht ihm in den USA eine lebenslange Haft.

(Rheinische Post)
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