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Russen liefern Assad Munition

Russen liefern Assad Munition

istanbul/damaskus (RP) Ein Frachtschiff mit russischem Militärmaterial hat nach einem Verwirrspiel den syrischen Hafen Tartus angelaufen. Ungeachtet anderslautender Zusagen habe das Schiff Kurs auf den Hafen von Tartus genommen, zitierten türkische Medien das Außenministerium in Ankara.

Die unter der Flagge eines Karibikstaates fahrende "Chariot" war von zyprischen Behörden gestoppt worden, weil das Schiff 60 Tonnen Munition aus Russland an Bord hatte, die für Syrien bestimmt waren. Der Kapitän hatte vor der Weiterfahrt versichern müssen, Syrien nicht anzulaufen. Russland ignoriert ein Waffenembargo des Westens und liefert weiter Militärmaterial an das Regime von Staatschef Baschar al Assad, der seit Monaten einen Aufstand brutal unterdrückt.

Der russische Sicherheitsratschef Nikolai Patruschew warf der Nato und einigen arabischen Staaten vor, eine militärische Lösung des Syrien-Konflikts vorzubereiten. Die USA und die Türkei hätten bereits verschiedene Varianten geprüft, um eine Flugverbotszone in Syrien einzurichten, behauptete der einflussreiche Funktionär in der Tageszeitung "Kommersant".

Unterdessen kehren immer mehr Militärs Assad den Rücken. In der vergangenen Woche hatte sich erstmals ein Brigadegeneral auf die Seite der Protestbewegung gestellt. General Mustafa Ahmed al Scheich aus der Protesthochburg Idlib rief alle Soldaten auf, seinem Beispiel zu folgen.

Nach dem Tod eines französischen Kameramannes in der Protesthochburg Homs hat die Regierung in Paris Aufklärung darüber gefordert wie Gilles Jacquier ums Leben gekommen ist. Die Opposition rief zu Kundgebungen zu Ehren von Jacquier auf.

Das Assad-Regime beschuldigt "Terroristen" – die offizielle Bezeichnung für die Aufständischen, hinter dem Anschlag auf Jacquier zu stecken. Die Protestbewegung bestreitet dies energisch. Am Tatort seien so viele Regierungseinheiten versammelt gewesen, dass bewaffnete Widerständler sich dort gar nicht hätten aufhalten können. Jacquier hatte sich auf einer von der syrischen Regierung genehmigten Reportagereise befunden.

Aus Verbitterung über die Gewalt ziehen sich offenbar immer mehr Beobachter der Arabischen Liga aus ihrem Syrien-Einsatz zurück. Der bereits abgereiste algerische Beobachter Anwar Malek sagte, viele seiner Kollegen teilten seine Verärgerung. "Ich kann keine Zahl nennen, aber es sind viele." Ein Marokkaner, ein Ägypter und ein Kollege aus Dschibuti hätten aufgegeben. Viele könnten die Mission nicht verlassen, weil sie von ihren Heimatstaaten gehindert würden, sagte Malek. Vorerst will die Liga aber keine weiteren Beobachter nach Syrien schicken.

In Berlin warfen Politiker von CDU und FDP Abgeordneten der Linken vor, Assad Rückendeckung zu geben. Sechs Mitglieder der Linksfraktion im Bundestag hatten einen Online-Aufruf unterzeichnet, in dem die Aufhebung der Sanktionen gegen Syrien und den Iran gefordert und den USA vorgeworfen wird, Kriege gegen beide Länder vorzubereiten.

(RP)