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Düsseldorf: Rüstungsflops – von peinlich bis tödlich

Düsseldorf : Rüstungsflops – von peinlich bis tödlich

Seit Gründung der Bundeswehr 1955 gibt es bei großen und kleinen Beschaffungsvorhaben immer wieder schwer nachvollziehbare Verzögerungen und Pannen. Sie sind teils verbunden mit der Verschwendung von Steuergeld in Millionenhöhe – wie beim "Euro Hawk".

Panzer Westdeutsche Soldaten kämpften noch in den 70er Jahren mit einer Ausrüstung, die in den Gründerjahren der Bundeswehr offenbar überhastet eingekauft worden war. Die Spähpanzer "Hotchkiss", von den Soldaten zu "Schrottkiss" verballhornt, waren zum Beispiel meist älter als ihre Besatzungsmitglieder, hatten keine funktionierende Heizung, aber einen derart laut heulenden Motor, dass sie über Kilometer hinweg zu hören waren – wenn sie nicht unterwegs ausfielen, was die Regel war. Der Schützenpanzer HS 30, gebaut von einer schweizerischen Fabrik, die vorher nur Mopeds produziert hatte, sollte für umgerechnet weit mehr als eine Milliarde Euro in einer Stückzahl von mehr als 10 000 beschafft werden. Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) und Verteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU) hatten vorher nur ein Modell aus Holz und Pappe gesehen. Der störanfällige, untermotorisierte Panzer erreichte erst nach vielen teuren Nachbesserungen die Einsatzreife; der Nachfolger "Marder" lief da schon vom Band.

"Starfighter" Korruption konnte beim HS 30 nie nachgewiesen werden, auch im Fall des amerikanischen Schönwetter-Jägers Lockheed "Starfighter" nicht. Dessen zu schnelle Einführung ab 1960 hatte katastrophale Folgen: 116 Piloten starben bei 300 Abstürzen oder Unfällen; jeder dritte Jet ging verloren.

U-Boot 201 Der Stahl der Modelle des U-Boot-Typs 201 sollte wegen Minengefahr komplett antimagnetisch sein. Nicht bedacht hatte man, dass er Meerwasser nicht vertrug und darum schnell Risse bekam.

"Eurofighter" Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) hatte 1974 beim Jagdbomber "Tornado" (Kosten: insgesamt etwa neun Milliarden Euro) erschrocken vom "teuersten Rüstungsprojekt seit Christi Geburt" gesprochen. Doch das wurde das Kampfflugzeug "Eurofighter" mit geschätzten 80 Milliarden Euro bis 2040. Mit ersten Studien wurde in den 1980er Jahren begonnen, erst jetzt wird das Flugzeug eingeführt.

Korvetten Die Komplexität moderner Großsysteme ist immer wieder ein Problem. So verzögert sich die volle Einsatzbereitschaft der fünf fürs Radar fast unsichtbaren Korvetten der Marine vermutlich um sieben Jahre bis 2014. 2009 mussten alle Schiffe wegen schwerer Getriebeschäden stillgelegt werden, zuvor hatten die Ruderanlage und andere computergesteuerte Bordsysteme nicht funktioniert.

Nasenspray In den Randbereichen der Bundeswehr läuft auch nicht alles rund: Der Bundesrechnungshof monierte 2012 den Neubau einer Fabrik für rund 20 Millionen Euro. Sie soll speziell für die Bundeswehr unter anderem Nasenspray, Sonnencreme und Lippenbalsam herstellen. Diese Produkte seien doch auf dem freien Markt günstiger einzukaufen, stellten die Prüfer fest.

(RP)