Paris: Regierungssprecher wird Frankreichs Finanzminister

Paris : Regierungssprecher wird Frankreichs Finanzminister

Zum Abschied war die frisch gekürte Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) im eleganten schwarzen Kleid in den Elysée-Palast gekommen: "Ich bin sehr geehrt und glücklich, dass ich Frankreich fast vier Jahre lang gedient habe, und stolz, dass ich beim IWF einen Konsens erreicht habe", sagte Christine Lagarde nach ihrer letzten Kabinettssitzung als französische Finanzministerin.

Ihr Wechsel nach Washington zog in der Regierung Stühlerücken nach sich: Lagardes Nachfolger wird der bisherige Budgetminister und Regierungssprecher, François Baroin; dessen Posten wiederum übernimmt Bildungsministerin Valérie Pecresse. Der 46-Jährige hatte sich im Machtkampf mit Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire durchgesetzt. Beobachtern zufolge stand Le Maire bereits am Dienstagabend nahezu als neuer Finanzminister fest, während Baroin als ausgeschieden galt — angeblich, weil er zu schlecht Englisch spreche. Verärgert soll Baroin jedoch mit Rücktritt gedroht haben. Damit hat er jedenfalls Durchsetzungsvermögen bewiesen. Denn sonst wirkt der ehemalige Journalist und Anwalt eher unscheinbar. Bekannt ist Baroin vor allem als Sohn von Michel Baroin, der ein großer Freimaurer sowie Chef der Buchhandelskette Fnac war und 1987 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Die enge Freundschaft des Vaters mit dem vormaligen Staatspräsidenten Jacques Chirac brachte auch den Sohn in die Politik.

(RP)
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