Düsseldorf: Regierung geizt mit Informationen

Düsseldorf : Regierung geizt mit Informationen

Die Informationspolitik der japanischen Regierung und der Behörden angesichts der enormen Schäden und der atomaren Bedrohung des Landes durch die havarierten Atomreaktoren ist absolut unzureichend. Das Erdbeben und der nachfolgende Tsunami haben die Hauptstadt der Präfektur Miyagi, die Millionenstadt Sendai, schwer beschädigt. Es ist natürlich, dass die materiellen Schäden in ihrer Fülle nicht sofort überschaubar waren und die Opferzahlen genannt werden konnten.

Doch als die Menschen aus Angst vor nuklearer Verstrahlung aus der Umgebung der geschädigten Reaktoren evakuiert wurden, wäre Offenheit am Platz gewesen. Es handelt sich immerhin inzwischen um 215 000 Japaner, die ihre Wohnorte verlassen mussten.

Ministerpräsident Naoto Kan trat – wie die anderen Regierungsmitglieder und Experten auch – in hellblauem Arbeitsdrillich an. So sollte wohl Sachkompetenz dargestellt werden, die aber durch profunde Erklärungen zum Geschehen nicht untermauert wurde. Kan sprach den Menschen Mut zu, doch aufklärerisch war sein Auftritt nicht. Der Regierungschef redete gestern von der größten Krise des Landes seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Lage im geschädigten Atomkraftwerk Fukushima 1 sei ernst. Kan forderte seine Landsleute auf, Strom zu sparen, geplant sei, Energie zu rationieren, um großflächige Ausfälle zu vermeiden. Solche alarmierenden Worte tragen eher zur Verunsicherung bei als zur Aufklärung.

Japans Fernsehen strahlte in einer Endlosschleife Bilder berstender Gebäudeteile und eines übriggebliebenen Stahlkorsetts aus. Einige Sprecher trugen Schutzhelme, möglicherweise aus ähnlichen Gründen wie die Regierung ihre Arbeitsanzüge.

Die Fernsehbilder ließen das Schlimmste erwarten, vor allem dann, wenn die Behörden den Evakuierungsring ständig erweiterten, Jodpillen ausgaben und gleichzeitig versicherten, es gehe von dem geschädigten Reaktor keine unmittelbare Gefahr aus.

Hat es eine Kernschmelze im Reaktorkern gegeben oder nicht? Die Experten scheinen es selbst nicht zu wissen, sie wissen auch nicht, ob sie die Situation schnell in den Griff bekommen können. So rücken Japans Behörden nur in kleinen Portionen Nachrichten und Einschätzungen der Lage raus. Die Betreiberfirma des beschädigten Atomreaktors war schon früher wegen unzureichenden und falschen Angaben in die Kritik geraten. So sollen auch Berichte gefälscht worden sein. Das alles erhöht angesichts der dramatischen Ereignisse auch nicht die Glaubwürdigkeit.

Auch als erhöhte Radioaktivität gemessen wurde, kam es immer wieder zu widersprüchlichen Meldungen. Beunruhigt hat das auch die Nachbarstaaten Japans, auch wenn sie in einiger Distanz liegen. Sie fürchten, dass möglicherweise ein nuklearer Fallout durch den Wind zu ihnen gelangt.

So hat Australien Japans Regierung zu mehr Offenheit und mehr Informationen über die nukleare Katastrophe und die Sicherheitsaspekte aufgefordert. Australien will wissen, welche Bedrohung von dem beschädigten Reaktor Fuku-shima wirklich ausgeht. "Wir und alle anderen Länder brauchen dringend weitere Informationen über den genauen Status dieser Reaktoren", sagte Australiens Außenamtschef Kevin Rudd.

(RP)
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