1. Politik

Moskau: Rechtsradikale machen in Moskau Jagd auf Ausländer

Moskau : Rechtsradikale machen in Moskau Jagd auf Ausländer

Im gesamten Moskauer Zentrum wurden die Wachen verstärkt. Es gilt der Notfallplan "Vulkan", eigentlich entwickelt für den Fall eines Terroranschlags. Am Tag nach den rechtsradikalen Ausschreitungen im Moskauer Stadtteil Birjuljowo ist die Angst groß, dass sich die Randalierer in der Innenstadt zusammenrotten.

Am Sonntag hatten mehr als 1000 Anwohner, Rechtsradikale und Hooligans Birjuljowo verwüstet. Sie zertrümmerten einen Großmarkt, warfen Autos um, plünderten ein Einkaufszentrum und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Sie brüllten "Russland den Russen" und "Einer für alle, alle für einen". 23 Menschen wurden verletzt, 380 Randalierer festgenommen.

Auslöser für die Unruhen war der Mord an einem 25-jährigen Russen. Er wurde vor einigen Tagen erstochen, als er seine Freundin gegen die Anmache eines Fremden verteidigte. Bilder einer Überwachungskamera zeigten, dass es sich bei dem Täter um einen Mann handelte, der offenbar aus Zentralasien oder dem Kaukasus stammt. Eine öffentliche Gedenkfeier für den Toten verwandelte sich nun in eine Art Pogrom gegen Zuwanderer.

Die Polizei reagierte auf landestypische Weise. Einen Tag nach den Krawallen veranstaltete sie eine Razzia gegen Gastarbeiter auf dem Großmarkt von Birjuljowo und nahm 1200 Menschen vorübergehend fest. Die Sicherheitskräfte gaben an, sie hätten auf dem Großmarkt ein Auto mit Waffen und großen Mengen Bargeld gefunden. Auch habe man Spuren zu dem mutmaßlichen Mörder gefunden.

Oppositionsführer Alexeij Nawalny forderte, Russland müsse die Zahl der Gastarbeiter reduzieren und die Visumspflicht für alle Ex-Sowjetrepubliken einführen: "Wenn es kein gerechtes System der Konfliktlösung gibt, dann werden die Menschen das selbst in die Hand nehmen, auf primitive und unkontrollierbare Weise."

Die Möglichkeit zur visumsfreien Einreise zieht jährlich Millionen von Wanderarbeitern an. Viele von ihnen schuften zu Sklavenlöhnen auf Basaren und Baustellen in Moskau — meist ohne Arbeitserlaubnis. Diese Situation wird von korrupten Polizisten ausgenutzt: Auch in Birjuljowo war die Situation zunehmend angespannt. Anwohner beklagten die hohe Kriminalität und die Untätigkeit der Polizei.

(RP)