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Präsident gegen Entlassungen nach "Kursk"-Unfall: Putin erhöht Gehälter für Sicherheitsapparat

Präsident gegen Entlassungen nach "Kursk"-Unfall : Putin erhöht Gehälter für Sicherheitsapparat

Moskau (dpa). Der russische Präsident Wladimir Putin hat die Gehälter im Sicherheitsapparat des Landes um ein Fünftel erhöht. Ab dem 1. Dezember sollten Soldaten, Polizisten sowie die Mitarbeiter von Zoll, Steuerpolizei und Justizministerium 20 Prozent mehr Gehalt erhalten, verfügte Putin am Donnerstag. Das teilte der Kreml nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax mit.

Armeeangehörige und Polizisten verdienen in Russland wenig. Medienberichte nach dem Untergang des Atom-U-Bootes "Kursk" zeigten erneut, unter welch ärmlichen Umständen Soldatenfamilien leben. Der tote Kapitän der "Kursk" verdiente den Angaben nach umgerechnet etwa 300 Mark monatlich.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich gegen Entlassungen in der Militärspitze vor einer vollständigen Aufklärung des Unglücks des Atom-U-Boots "Kursk" ausgesprochen. Er habe die angebotenen Rücktritte von Verteidigungsminister Igor Sergejew, Marinekommandeur Wladimir Kurojedow und Nordflotten-Chef Wjatscheslaw Popow vorläufig abgelehnt, sagte Putin am Mittwochabend dem staatlichen Fernsehsenders RTR. Erstmals übernahm Putin die politische Verantwortung für die Katastrophe der gesunkenen "Kursk"

Putin erklärte: "Auch wenn ich erst etwas mehr als 100 Tage in diesem Kabinett im Kreml sitze, fühle ich vollständige Verantwortung und Schuld für die Tragödie." Den Hinterbliebenen sicherte er die Bergung der toten Seeleute zu.

Nach dem Untergang der "Kursk" mit 118 Mann Besatzung am 12. August in der Barentssee war der Präsident in Russland heftig kritisiert worden, weil er seinen Urlaub am Schwarzen Meer nicht abgebrochen hatte. Außerdem habe er westliche Hilfe zu spät akzeptiert, hieß es.

Die Familien der Hinterbliebenen, die dies wünschen, sollen am heutigen Donnerstag mit einem Schiff hinaus auf die Barentssee fahren. Sie hatten den Präsidenten gezwungen, eine für Mittwoch geplante Trauerfeier auf offener See abzusagen. Sie erklärten, für sie seien die vermissten Seeleute solange lebendig, bis sie aus dem Wrack auf dem Grund der Barentssee geborgen würden.

Putin sagte im Fernsehen: "Wir werden uns bemühen, dass alle Soldaten aus dem Boot geborgen und an Land gebracht werden." Die Arbeit werde in internationaler Zusammenarbeit organisiert. Die norwegisch-britische Spezialfirma Stolt Offshore, die von Moskau um Hilfe gebeten worden war, wollte binnen zwei Wochen mitteilen, ob sie den Auftrag übernimmt. Ihre Tieftaucher hatten am Montag das Wrack geöffnet und festgestellt, dass es dort keine Überlebenden gebe.

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Putin sagte im Fernsehen, das Unglück werde von einigen Kräften "gewissenlos" ausgenutzt. Seine Kritik münzte er vor allem auf reiche russische Unternehmer, die auch die wichtigsten Medien im Land kontrollieren. Regierung und Militär verstärkten die Schelte für die kritische Berichterstattung der russischen Presse. "Die Massenmedien haben eine breite Kampagne eingeleitet, die sich gegen die Kriegsmarine und besonders gegen ihr Kommando richtet", erklärte die Pressestelle der russischen Marine.

Über das Projekt einer Bergung des gesamten U-Bootes sprach Putin mit Igor Spasski, dessen Ingenieursbüro "Rubin" die "Kursk" konstruiert hat. Marinestellen und die Verwaltung des nordrussischen Gebietes Murmansk dementierten Berichte, in der Barentssee seien erhöhte Werte von Radioaktivität gemessen worden.

(RPO Archiv)