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Moskau: Putin bietet Depardieu einen russischen Pass an

Moskau : Putin bietet Depardieu einen russischen Pass an

In einer Pressekonferenz inszeniert der Präsident seine Macht und verteidigt das Adoptionsverbot für Amerikaner.

Die junge Frau mit den langen Haaren sitzt in Reihe zehn und hält ein Plakat hoch. "In unserer Region wurden die Köpfe ausgetauscht", steht darauf. Natalja Popowa (24) arbeitet als Lokaljournalistin in Saratow an der Wolga. Sie ist 17 Stunden mit dem Nachtzug nach Moskau gefahren. Nun hockt sie mit 1200 anderen Journalisten im blau dekorierten Konferenzsaal des Moskauer Welthandelszentrums und wartet auf Wladimir Putin.

Die Reporterin will ihm eine unbequeme Frage stellen: "Warum wurde unser Gouverneur in Saratow einfach ausgetauscht statt frei gewählt?" Es ist Putins erste Jahrespressekonferenz in seiner dritten Amtszeit als Präsident. Und er inszeniert sie zur Demonstration der Stärke. Viereinhalb Stunden beantwortet er Journalistenfragen. Er nippt an seinem Tee, wirkt gut gelaunt. Zuletzt wurde über seinen Gesundheitszustand spekuliert, nachdem der 60-Jährige Auslandsreisen und andere öffentliche Auftritte abgesagt hatte. Die Frage nach seiner Gesundheit schmettert Putin gleich ab: "Diese Spekulationen dienen nur den politischen Gegnern, denen daran gelegen ist, die Legitimität und Handlungsfähigkeit der Regierenden zu bezweifeln."

Dem französischen Schauspieler Gerard Depardieu bietet Putin die russische Staatsbürgerschaft an. "Falls mein Freund eine Daueraufenthaltsgenehmigung oder einen russischen Pass wünscht, ist die Frage schon positiv entschieden." Depardieu will seinem Heimatland aus Protest gegen die Steuerpolitik den Rücken kehren.

Mit scharfen Worten attackiert Putin die USA und verteidigt ein neues Gesetz, das US-Bürgern künftig die Adoption russischer Kinder verbietet. Die Duma hatte mit dem Gesetz auf das amerikanische Gesetz reagiert, das russischen Spitzenbeamten bei Menschenrechtsverstößen Einreiseverbot erteilt.

Natalja Popowa aus Saratow hält auch nach zwei Stunden noch geduldig ihr Plakat in die Höhe. Ihre Frage darf schließlich ein anderer Kollege stellen: "Warum werden die Gouverneure von oben bestimmt, wenn doch eigentlich freie Wahlen vorgesehen sind?" Putin: "Ich persönlich bin für freie Wahlen der Gouverneure." Momentan können die Menschen in den Regionen allerdings nur aus den Kandidaten auswählen, die der Kreml gutheißt.

(RP)