Düsseldorf: Protest gegen Castor-Transporte nach Ahaus

Düsseldorf : Protest gegen Castor-Transporte nach Ahaus

Gegen die geplanten Atommüll-Transporte von Jülich ins Zwischenlager Ahaus haben Umweltverbände und Bürgerinitiativen "kreative" Proteste angekündigt. Bereits am Sonntag soll es eine Demonstration in Ahaus geben, an der auch die Grünen teilnehmen wollen. Für Ende Februar ist ein "Autobahn-Aktionstag" mit einem Autokorso auf der mutmaßlichen Strecke vom Forschungszentrum Jülich nach Ahaus geplant. Die 300 000 hochstrahlenden Brennelemente-Kugeln sollen in 152 Spezialbehältern (Castoren) per Lkw transportiert werden.

Die "Atom-Schiebereien" durch dicht besiedeltes Gebiet seien eine Provokation, sagte Paul Kröfges, Landesvorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), in Düsseldorf. Es gebe keinen zwingenden Grund, den radioaktiven Abfall nach Ahaus zu verfrachten.

Die Betriebsgenehmigung für die Lagerstätte Jülich läuft im Juni 2013 aus. Die rot-grüne Landesregierung will, dass das Lager, für das die Bundesregierung zuständig ist, so umgerüstet ("ertüchtigt") wird, dass es einem Anschlag oder Flugzeugabsturz standhält. Im Gespräch ist auch der Bau eines neuen Zwischenlagers. Doch dies alles würde Jahre dauern. Der Bund als 90-prozentiger Gesellschafter des Forschungszentrums hatte deshalb zwar Ende November die Umverlagerung nach Ahaus beschlossen, doch weder dafür noch für die entsprechende Nutzung des Zwischenlagers Ahaus – das ebenfalls "ertüchtigt" werden müsste – liegen Genehmigungen vor, wie NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) betont. Er schätzt, dass die für die Castor-Transporte nötigen Polizeieinsätze bis zu 60 Millionen Euro kosten könnten, für die das Land aufkommen müsste.

Trotz des drohenden "genehmigungsfreien Zustands" (so NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger, SPD) rechnet Udo Buchholz (Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz) damit, dass bereits im Januar die Transporte starten könnten: "Wir müssen uns auf alles vorbereiten."

Auf ihrer Pressekonferenz machten die Umweltverbände und Bürgerinitiativen auch Front gegen die Urananreicherungsanlage in Gronau. Das Land müsse die Betriebsgenehmigung entziehen, da die Anlage nicht dem aktuellen Stand der Technik entspreche, hieß es. Laut Buchholz lagert auf dem Gelände des Betreibers Urenco radioaktives Uranhexafluorid in "Containern unter freiem Himmel". Gegen Sabotageakte sei das Uranmüll-Lager nicht geschützt.

Ein Unternehmenssprecher sagte auf Anfrage, Uranhexafluorid befinde sich in Spezialzylindern, die draußen lagerten. Die Anlage werde ständig bewacht. Für die Bevölkerung bestehe keine Gefahr. Die Umweltorganisationen fordern dagegen, dass der Betrieb sowie der Bau des Uranlagers gestoppt werden. Außerdem wollen sie den sofortigen Atom-Ausstieg.

(RP)