Politikerin mit eigenen Prinzipien

Politikerin mit eigenen Prinzipien

Tucson (FH) Gabrielle Giffords letzter Erfolg liegt erst ein paar Wochen zurück. Die 40-Jährige gehört zu den wenigen Demokraten, denen es im November gelang, in heftig umkämpften Wahlkreisen den Angriff von rechts abzuwehren. Trotz Wirtschaftskrise und Proteststimmung behielt sie im Südostzipfel Arizonas die Oberhand gegen einen Rivalen, der die erzkonservative Tea Party hinter sich wusste. Immerhin gelang ihr das Kunststück in einer Gegend, in der traditionell die Konservativen den Ton angeben.

Ihr Erfolgsrezept: Giffords bürstet gerne gegen den Strich und lässt sich nicht so leicht einsortieren in eine Parteischublade. Einerseits befürwortet sie nahezu unbeschränkten privaten Waffenbesitz, will die Nationalgarde verstärkt an der Grenze zu Mexiko einsetzen und die Grenz-Patrouillen besser ausrüsten. Mit den Demokraten der Mitte fordert sie fiskalische Disziplin anstelle neuer Milliardenschulden. Andererseits kämpfte sie energisch für Obamas Gesundheitsreform, worauf Vandalen im März die Scheibe ihres Wahlkreisbüros zerstörten – ob mit Steinen oder einem Revolver, ist bis heute nicht geklärt. Unbeirrt tritt sie für eine Einwanderungsreform ein. Es bringt jene Hardliner auf die Palme, die alle Illegalen am liebsten sofort aus dem Land würfen. Es gab Drohungen; abschrecken ließ sie sich nicht.

Im Herbst 2006 war Giffords die erste Jüdin, die für Arizona ins Parlament in Washington zog. Zu ihren ersten Amtshandlungen gehörte es, einen nationalen Gedenktag zur Feier des Cowboys anzuregen. Mit einem Fulbright-Stipendium studierte sie in Mexiko, danach übernahm sie für kurze Zeit das Reifengeschäft ihres Vaters, bevor sie in die Politik ging. "Es würde mich nicht überraschen, wenn sie die erste oder zweite Präsidentin der USA würde", sagt Ex-Arbeitsminister Robert Reich. Verheiratet ist Giffords mit Mark Kelly, einem Astronauten, der in diesem Jahr das letzte Space-Shuttle steuern soll.

(Rheinische Post)
Mehr von RP ONLINE