"Pille danach" in Deutschland bald ohne Rezept erhältlich

Sexualität : "Pille danach" bald ohne Rezept

In Deutschland soll schon bald die "Pille danach" rezeptfrei zu erhalten sein. Damit beugt sich die Bundesregierung einer Entscheidung der EU-Kommission. Diese hatte am Mittwoch bekannt gegeben, dass der Wirkstoff "Ulipristal" in der gesamten EU ohne Rezept erhältlich sein soll. Das Medikament kann bereits in 22 EU-Staaten frei erworben werden.

Die "Pille danach" gilt als Notfall-Verhütungsmittel, das bis zu 120 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden kann. Das Medikament greift stark in den Hormonhaushalt der Frauen ein. Es verzögert den Eisprung. Eine absolute Sicherheit, dass es dann nicht zu einer Schwangerschaft kommt, gibt es allerdings nicht. Je früher das Präparat eingenommen wird, desto größer ist die Chance, dass es die gewünschte Wirkung erzielt. In Deutschland sind derzeit zwei verschiedene Präparate mit verschiedenen Wirkstoffen auf dem Markt. Beide sollen nun freigegeben werden. Bislang waren sie nur auf Rezept erhältlich. SPD, Grüne und Linke fordern schon seit Langem eine Freigabe. Die Ärzteschaft hat sich dagegen positioniert.

"Unser Ziel ist es, auch weiterhin eine gute Beratung für beide Präparate aus einer Hand sicherzustellen", sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Er kündigte an, gemeinsam mit Frauenärzten, Apothekern und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte Richtlinien zu entwickeln, nach denen Apotheker die Betroffenen beraten sollten. Für Minderjährige soll die "Pille danach" rezeptpflichtig bleiben.

CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn zeigte sich von der Entscheidung der EU-Kommission enttäuscht. "Es ist schade, dass die EU nicht auf unsere Argumente hört", sagte Spahn unserer Zeitung. Nun werde man schauen müssen, wie man in den Apotheken ein hohes Beratungsniveau erreiche. "Und die banale Frage, ob Männer die auch kaufen können sollen, stellt sich auch", sagte Spahn.

(qua)