Außenminister nimmt Friedenspreis entgegen: Peres besucht Deutschland

Außenminister nimmt Friedenspreis entgegen: Peres besucht Deutschland

Berlin/Frankfurt/Main (rpo). Der israelische Außenminister Schimon Peres besucht heute Deutschland. Er ist das erste Kabinettsmitglied der neuen Regierung, das nach Deutschland kommt, um die Lage im Nahen Osten erörtern. Peres wurde von Kanzler Schröder empfangen.

Bei dem Gespräch am Dienstagabend stand die weitere Zuspitzung der Lage im Nahen Osten sowie die Möglichkeiten für eine Entschärfung des Konflikts mit den Palästinensern im Vordergrund.

Der ägyptische Präsident Husni Mubarak hatte bei seinem Besuch in Berlin vor kurzem den Kanzler ausführlich über die ägyptisch- jordanische Initiative informiert, über vertrauensbildende Schritte den Dialog von Israelis und Palästinenser wieder in Gang zu bringen. Schröder hat über diesen Plan inzwischen mit einer Reihe von EU-Kollegen gesprochen.

Im Namen zahlreicher EU-Regierungen hat Dänemark Israel zur Wiederaufnahme des Friedensprozesses gedrängt. Außenminister Mogens Lykketoft forderte die israelische Führung in scharfer Form zu einer politischen Kursänderung auf. Die Gewalttätigkeiten hätten ein "inakzeptables Maß" angenommen, sagte er nach einem Treffen mit Peres am Rande der Tagung der Sozialdemokratischen Partei Europa (SPE) in Berlin. Er forderte die Einstellung der Siedlungsaktivitäten und die Aufhebung der Blockade der palästinensischen Autonomiegebiete. Peres wies die Vorhaltungen seines Amtskollegen aus Kopenhagen kühl zurück.

Peres will die Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten nicht aufgeben. "Das Misstrauen steckt tief, aber trotz allem haben wir die Hoffnung nicht verloren." Auch Deutschland könne entscheidend dazu beitragen, den anhaltenden Terror zu stoppen. "Die deutsche Stimme dafür ist wichtig." Deutschland könne auf die Palästinenser einwirken, die Gewalt zu beenden.

Peres rechnet damit, dass sowohl Schröder als auch Außenminister Joschka Fischer in Kürze in den Nahen Osten reisen werden. Fischer will offenbar Anfang Juni dort einen Besuch abstatten. An diesem Mittwoch will Peres mit Fischer in Berlin sprechen und die neue Botschaft seines Landes eröffnen.

Für seine Friedenspolitik im Nahen Osten wurde Peres in Frankfurt am Main am Dienstag ausgezeichnet. Der 77-jährige Friedensnobelpreisträger erhielt den mit 100 000 Mark dotierten Friedenspreis der Geschwister-Korn-und-Gerstenmann-Stiftung.

  • Hintergrund : Die Friedensnobelpreisträger seit 1990

Zuvor wird Peres in Frankfurt am Main mit dem Friedenspreis der Geschwister-Korn-und-Gerstenmann-Stiftung ausgezeichnet. Damit soll das Wirken des Politikers für den Frieden in Israel und im Nahen Osten gewürdigt werden. Der mit 100.000 Mark dotierte Preis würdigt literarische und journalistische Bemühungen um Versöhnung in Israel und der ganzen Welt. Der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher sagte in seiner Laudatio, Peres habe sich auch in seinen Büchern als Visionär für den Frieden erwiesen.

Der Preis wurde bewusst am 8. Mai, dem Jahrestag der deutschen Kapitulation, verliehen. Die Stifter, das jüdische Geschwisterpaars Abraham Korn und Rosa Gerstenmann geborene Korn wollten damit an Gerstenmanns Tochter Sarah erinnern, die im Alter von einem Jahr im Konzentrationslager Majdanek umgekommen war. Als Mitglied des Stiftungsvorstands lobte der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, Peres als glaubwürdigen Vertreter des humanistischen Konzepts, das dem erstmals vergebenen Preis zu Grunde liege: Er repräsentiere den Glauben an den Frieden, den Menschen, den Dialog.

Genscher unterstrich das Vertrauenskapital, das Peres im Nahen Osten und in der ganzen Welt genieße. Damit sei der Friedensnobelpreisträger des Jahres 1994 zu einem der bedeutendsten Hoffnungsträger für seine Region geworden. Peres habe sich trotz vielfältiger Rückschläge nie entmutigen lassen und sei nie von der Überzeugung abgewichen, dass es keine Alternative gebe zu den Friedensverhandlungen, um die er sich stets bemüht habe.

Drei Dimensionen des Friedens

Peres selbst betonte, dass es ihm bei seinen Bemühungen um einen Frieden im Nahen Osten nicht um bequeme politische Lösungen gehe: "Frieden ist eine Verpflichtung, aber keine politische Pflichtübung." Für ihn seien dabei drei Dimensionen entscheidend: Zum einen müsse das jüdische Volk Frieden mit sich selbst schließen - mit seiner leidvollen Geschichte ebenso wie mit seinen vielfältigen, mitunter divergierenden Traditionen, die den jungen Staat prägten. An zweiter Stelle stehe der Frieden mit den Nachbarn, die verstehen müssten, dass Israel bei allem Sicherheitsbedürfnis grundsätzlich keine Okkupationsmacht sein wolle.

(RPO Archiv)
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