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Patientenschützer kritisiert Privilegien für geimpfte Reiserückkehrer

Kabinettsentwurf für Musterquarantäneverordnung : Patientenschützer kritisiert Privilegien für geimpfte Reiserückkehrer

Sollten Menschen, die geimpft sind, nach einer Rückkehr aus einem Risikogebiet um eine Test- und Quarantänepflicht herumkommen? In Sachsen-Anhalt gilt eine entsprechende Regelung. Patientenschützer befürchten eine Impfpflicht durch die Hintertür.

Berichte über mögliche Ausnahmen für Geimpfte sorgen für Kritik vonseiten von Patientenschützern. Laut Medienberichten sieht die noch nicht vom Bundeskabinett beschlossene Musterquarantäneverordnung im Entwurf vor, dass Geimpfte und Covid-19-Genesene nach einer Rückkehr aus Risikogebieten nicht mehr der Test- und Quarantänepflicht unterliegen.

Das ruft nun die Deutsche Stiftung Patientenschutz auf den Plan. Deren Vorstand, Eugen Brysch, sagte unserer Redaktion, es sei zutiefst verwunderlich, dass in dem Entwurf aus dem Bundesgesundheitsministerium geimpfte Menschen privilegiert werden sollten. „Denn wer dann als Geimpfter aus einem Hochrisikogebiet anreist, soll nicht mehr in Quarantäne gehen müssen.“ Ebenfalls ausgenommen von der Quarantäne werden Brysch zufolge Menschen, die nachweislich mit dem Corona-Virus infiziert waren. „Sachsen-Anhalt hat diese Regelung sogar voreilig am letzten Freitag umgesetzt. Damit ist absehbar, dass schon die Pläne der Bundesregierung und das Vorpreschen von Sachsen-Anhalt für große Verwirrung in der Bevölkerung sorgen werden“, kritisierte der Patientenschützer. Denn noch am Wochenende habe es von der Bundeskanzlerin und den Regierungschefs der Länder geheißen, Privilegien für Geimpfte werde es nicht geben.

„Zudem ist die Regelung auch epidemiologisch hoch gefährlich. Denn kein Experte kann heute verbindlich einschätzen, ob Geimpfte immun sind oder das Virus sogar weitergeben können“, warnte Brysch. Nicht einmal der Hersteller verspreche das. „Hier könne allein der Immunitätsstatus Sicherheit bringen. Auch führen unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern zu unnötigem Frust in der Bevölkerung“, sagte Brysch.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte zuletzt im Gespräch mit unserer Redaktion Privilegien für Geimpfte eine klare Absage erteilt. „Eine Impfpflicht, und sei sie nur indirekt, gefährdet die Akzeptanz“, sagte Laschet. Man müsse hierzulande auch sagen dürfen, dass man sich nicht impfen lassen wolle. Auf die Frage, ob die Politik eingreifen müsse, wenn Firmen ihre Leistungen an einen Impfnachweis koppelten, sagte der Ministerpräsident: “Das gibt es im Augenblick nicht. Man muss die Frage beantworten, wenn sie sich stellt.“