Brüssel: Paris und London für mehr Nato-Einsätze in Libyen

Brüssel : Paris und London für mehr Nato-Einsätze in Libyen

Frankreich und Großbritannien haben der Nato vorgeworfen, nicht hart genug gegen die Truppen des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi durchzugreifen. Es werde zu wenig getan, um deren schwere Waffen zu zerstören und Zivilisten zu schützen, kritisierte Frankreichs Außenminister Alain Juppé. Die Nato habe die militärische Führung der Operationen übernehmen wollen: "Sie muss jetzt ihre Rolle voll ausfüllen." Auch der britische Außenminister William Hague schloss sich der Forderung an. London habe vergangene Woche zusätzliche Kampfjets bereitgestellt: "Es wäre gut, wenn andere europäische Staaten dem folgen würden."

Nato-General Mark Van Uhm wies die Anschuldigungen umgehend zurück: "Die Flugverbotszone ist wirksam, wir beschützen Zivilisten und erfüllen unseren Auftrag." Das Bündnis hat den Einsatz Ende März nach tagelangen Querelen von einer "Koalition der Willigen" um Frankreich, Großbritannien und den USA übernommen. Derzeit fliegt es rund 150 Einsätze pro Tag, von denen 40 Prozent Kampfeinsätze sind. Trotzdem hält der Beschuss von Rebellen-Bastionen durch Gaddafi-Truppen an. Libyens ins Exil geflohener Außenminister Mussa Kussa warnte, seinem Land drohe ein ähnlicher Bürgerkrieg wie der in Somalia.

Die Europäische Union bereitet derweil einen möglichen EU-Militäreinsatz zur Absicherung humanitärer Hilfe für die seit Wochen belagerte Stadt Misrata vor. Kreisen der ungarischen Ratspräsidentschaft zufolge könnten bis zu 2000 EU-Soldaten entsandt werden. Für die Mission stehen multinationale EU-Battle-Groups zur Verfügung – diesen gehören auch mehr als 900 deutsche Soldaten an. Sie könnten Sicherheitskorridore durchsetzen oder bei der Evakuierung und medizinischen Versorgung helfen.

(RP)
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