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Katholisches Oberhaupt ist besorgt: Papst will mehr Nachwuchs in Italien

Katholisches Oberhaupt ist besorgt : Papst will mehr Nachwuchs in Italien

Rom (rpo). Nach Ansicht des Papstes müssen die Italiener mehr für die Geburtenrate des Landes unternehmen. Dies forderte das Oberhaupt ineiner historischen Rede vor dem italienischen Parlament.

Die sinkende Geburtenrate bedrohe des Zukunft des Landes und zwinge die Bevölkerung, einen Beitrag zur Umkehr dieses Trends zu leisten, sagte der 82-Jährige am Donnerstag unter dem Applaus der Abgeordneten. Es handelte sich um die erste Rede eines Papstes im Parlament seit der Vereinigung Italiens vor mehr als 130 Jahren. Sie war seit Wochen mit Spannung erwartet worden.

Die "Krise der Geburtenrate" bereite ihm Sorge, sagte Johannes Paul. Er rief die Politik auf, bessere soziale und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für Familien zu schaffen. Die Geburtenrate liegt in Italien bei 9,3 pro 1.000 Einwohner und gehört damit zu den niedrigsten der Welt. Die Vereinten Nationen haben Rom bereits davor gewarnt, dass die zurückgehende Erwerbsbevölkerung irgendwann nicht mehr im Stande sein werde, die Last der alternden Gesellschaft zu tragen.

Der Papst forderte die italienischen Behörden auch zur Begnadigung von Häftlingen auf. "Eine Reduzierung von Haftstrafen wäre eine Geste der Gnade für Gefangene, die sie in ihrer persönlichen Rehabilitation ermutigen und zu ihrer konstruktiven Wiedereingliederung in die Gesellschaft beitragen würde", sagte Johannes Paul II. im Palazzo Montecitorio, dem Unterhaus des Parlaments.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche bekräftigte ferner seine Forderung nach einer Würdigung der christlichen Tradition in der neuen Verfassung der Europäischen Union. Die EU-Chefs, die derzeit mit der Ausarbeitung der Charta befasst sind, sollten darin die Rolle des Christentums für den Kontinent nicht außer Acht lassen. "Wir müssen uns gegen eine Vision schützen, die nur wirtschaftliche und politische Aspekte berücksichtigt", sagte der Papst. Kritiker lehnen eine besondere Würdigung des Christentums in der EU-Verfassung mit der Begründung ab, Europa sei inzwischen zu einem multiethnischen und multireligiösen Schmelztiegel geworden.

Die Rede wurde als weiterer Schritt hin zu einer Verbesserung der oft angespannten Beziehung zwischen dem Vatikan und der italienischen Kirche gewertet. Die Herrschaft des Papstes über Rom und die päpstlichen Ländereien in Italien war 1870 nach der Eroberung der Stadt durch italienische Truppen zu Ende gegangen. Die "Römische Frage" wurde erst 1929 mit den Lateran-Verträgen gelöst, in denen sich beide Seiten als souveräne Staaten anerkannten. Die Beziehungen verbesserten sich seitdem und Johannes Paul - der erste nicht italienische Papst seit 455 Jahren - wurde im vergangenen Monat zum Ehrenbürger Roms ernannt.

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Der Besuch des Papstes im Parlament blieb jedoch nicht ohne Widerspruch. Einige Abgeordnete boykottierten aus Protest die Sitzung, und auf einem nahe gelegenen Platz demonstrierten etwa ein Dutzend Homosexuelle.

(RPO Archiv)