Papst und Piusbrüder einig ?

Papst und Piusbrüder einig ?

Vatikanstadt (Mc) In Rom kursieren Berichte, wonach eine Wiederannäherung zwischen dem Vatikan und der abtrünnigen, erzkonservativen Piusbruderschaft bevorstehen könnte. Deren Sprecher bestätigte Berichte des italienischen Vatikanexperten Andrea Tornielli. Danach hat der Generalobere der Piusbrüder, Bernard Fellay, zu Wochenbeginn auf Fragen des Präfekten der vatikanischen Glaubenskongregation, William Kardinal Levada, geantwortet. Es sei jedoch nicht bereits alles abgemacht.

Tornielli hatte in der "Zeit"-Beilage "Christ und Welt" gemeldet, Fellay habe die Lehrmäßige Präambel unterzeichnet und an den Vatikan zurückgeschickt. Dieser hatte den Piusbrüdern die Präambel im September 2011 zur Zustimmung vorgelegt. Die Präambel zielt auf eine Wiedereingliederung der konzilsfeindlichen Piusbrüder in die Römische Weltkirche. Der Vatikan macht seinerseits Kernaussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils zur Ökumene, zu Religionsfreiheit, zum interreligiösen Dialog zur Bedingung für eine Wiedereingliederung der Piusbruderschaft. Die bislang nicht veröffentlichte Lehrmäßige Präambel enthält Kriterien zur Interpretation der katholischen Lehre sowie Bedingungen für eine mögliche Überwindung der theologischen Differenzen zwischen dem Vatikan und den Piusbrüdern, die wesentliche Aussagen des letzten Konzils ablehnen. Sie sind seit einer unerlaubten Bischofsweihe 1988 von Rom getrennt. Die Präambel fordert religiösen Gehorsam gegenüber den kirchlichen Lehren, die der Papst und das Bischofskollegium vorschlagen, wenn sie ihr authentisches Lehramt ausüben, auch wenn die Lehren nicht als Dogma proklamiert werden.

Tornielli schreibt, etwa ein Viertel der Bruderschaft sei gegen eine Einigung. Vatikansprecher Lombardi meinte, im Gegensatz zu früheren unbefriedigenden Antworten handele es sich diesmal um einen Schritt vorwärts. Anfang Mai wird sich die Glaubenskongregation mit der Antwort der Piusbrüder befassen. Als mögliche Lösung zur Wiedereingliederung der Bruderschaft in die Kirche wird der Status einer Personalprälatur ins Gespräch gebracht, die direkt dem Papst unterstellt wäre. Diese Form einer juristischen Person wurde mit dem Kirchenrecht 1983 eingeführt. Bislang kam sie beim Opus Dei (Werk Gottes) zum Einsatz.

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Die letzte Entscheidung trifft der Papst. Es dürfte noch einige Wochen dauern, bis eine Lösung gefunden ist. Als Geste seines Versöhnungswillens hatte der Papst 2009 die Exkommunikation von vier Piusbruder-"Bischöfen" aufgehoben. Darunter war der Holocaust-Leugner Williamson.

(RP)
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