Operation Comeback

Operation Comeback

Dem steilen Aufstieg von Karl-Theodor zu Guttenberg folgte Anfang des Jahres sein tiefer Fall. Jetzt deutet einiges darauf hin, dass es den Baron in die deutsche Politik zurückzieht.

düsseldorf Was wäre, wenn am Ende alles gut würde aus Sicht des diesjährig, kurz vor den cäsarischen Iden des März, "gefallenen Engels" und bekanntesten deutschen Freiherrn? Was wäre, wenn der aus Scham und Klugheit vorübergehend in die USA entschwundene Karl-Theodor zu Guttenberg seinen elf Vornamen einen zwölften hinzufügen könnte: Renatus nämlich, der Wiedergeborene?

Eine Schwierigkeit auf diesem Weg ist seit gestern ausgeräumt: Die staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen Guttenberg wegen Verletzungen des Urheberrechts sind eingestellt. Der Freiherr zahlt in der Plagiats-Affäre freiwillig ein Bußgeld von 20 000 Euro.

Bei seinem ersten politisch motivierten öffentlichen Auftritt in Halifax (Kanada), Tausende Kilometer westlich der Heimat, hatte der "Schwarze Baron" am vergangenen Wochenende bella figura gemacht: weg das Brillengestell, weg das Strenge verleihende, überakkurat nach hinten gegelte Haar. Stattdessen: juveniler Kurzschopf, nach vorne und auf TV-modern getrimmt, dazu die Gesichtskonturen weicher, auch fülliger als noch im Frühling 2011.

Ganz offensichtlich will Guttenberg die Gelegenheit beim Schopfe packen, seine Scharte der besonderen Art auszuwetzen. Das hängt auch mit der von ihm über sein uraltes Adelsgeschlecht gebrachten Schmach zusammen. Ein ertappter Sünder, ein Promotions-Blender, ein aberkannter Doktor-Titel, ein freiwillig-unfreiwilliger Rücktritt vom Amt des Verteidigungsministers. Es war ein bisschen zu viel, was der gestürzte deutsche Oberbefehlshaber in Friedenszeiten den Seinen im Schloss, die seit Alters her auf Ehre halten, zugemutet hat.

Guttenberg ließ bei seinem Entschwinden ins Exil von Connecticut (feinste US-Ostküstenregion) jedoch nicht nur einen erzürnten Herrn Papa zurück. Er hatte auch seine unzähligen Verehrer und Bewunderer in der zum Grauton neigenden CSU, überhaupt in der bundesdeutschen Öffentlichkeit, bitter enttäuscht. Wer weiß, was dem hanseatischen Orakel Helmut Schmidt zu einem unbeschädigten Guttenberg eingefallen wäre. Womöglich auch ein: "Er kann's."

Diejenigen, die nach Art der Amerikaner sagen: Give him a second chance, denken sich nun: Karl-Theodor, vertraulich KT gerufen, sollte tatsächlich fix und gründlich die zweite Chance nutzen und aller Welt zeigen, dass er eine Dissertation schreiben und in das politische Geschäft zurückkehren kann. Alle, die den politisch Hochbegabten kennen, sagen voraus: "Der schafft das, wenn er es nur will."

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sprach vor Kurzem gewiss für viele nicht nur in seiner Partei und im weiß-blauen Freistaat, als er Guttenbergs angriffslustigen Halifax-Auftritt als deutlichen Beleg für lodernde politische Glut interpretierte.

Andererseits gibt es das Sprichwort: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Nur, Hand aufs Herz: Wollen wir Heilige in der Politik, gleichsam überirdisch tugendhafte Volksvertreter? Ein Joschka Fischer, auch darauf kann ein fehlerbehafteter zu Guttenberg zählen, blieb Außenminister, obwohl ihn kurz nach Amtsantritt eine Fotoserie als Körperverletzer zulasten eines Polizeibeamten überführte.

Selbst wenn die Staatsanwaltschaft jetzt zu dem Ergebnis gekommen ist, der Freiherr habe nicht das Urheberrechtsgesetz verletzt, steht es Guttenberg gut an, nicht nur redlich an einer neuen Doktorarbeit zu feilen, sondern auch ein großes Mea culpa zu sprechen.

Danach jedoch dürfte er den Anspruch auf politische Rehabilitierung erheben. Dass Guttenberg etwas zu sagen hat, hat er zuletzt in Halifax bei seiner Kritik an mangelhafter politischer Erklär- und Führungskunst in der europäischen Schuldenkrise vorgeführt.

(RP)