NRW-FDP umjubelt Christian Lindner

NRW-FDP umjubelt Christian Lindner

Gütersloh Die FDP in Nordrhein-Westfalen hat in Gütersloh ihren neuen Darling und Wahl-Spitzenkandidaten Christian Lindner mit 97,9 Prozent zum Landeschef gewählt. Knapp 400 Delegierte hatten offensichtlich beschlossen, sich zu begeistern – gemäß Heiner Geißlers Erfolgstipp für politische Akteure: Nur wer sich selbst imponiert, imponiert auch anderen.

"Mein Gott", so dachte man nach dem ausgiebigen Applaus für die Rede des scheidenden Landeschefs, Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr, "welch ein Beifallssturm wird erst tosen, wenn der junge Held der Liberalen, also Lindner, seinen Auftritt hingelegt hat?" Nun, der Beifalls-Sturm war orkanartig. Die Frauen und Männer im Saal schnellten von ihren Sitzen hoch, sie klatschten rhythmisch in die Hände, Bravo-Rufe wurden laut. Auch die 84-jährige Partei-Ikone Hans-Dietrich Genscher war hellauf begeistert. Der FDP-Ehrenvorsitzende ging ans Pult und holte zum Ritterschlag aus: Der gnädige Gott und die Ärzte hätten ihm, dem soeben von einer Herzklappen-OP Genesenen, eine neue Lebenschance gegeben, und er sage es hier und jetzt: "Wir Freien Demokraten stehen mit ganzer Kraft und vollem Herzen hinter diesem Hoffnungsträger der liberalen Partei." An den um 51 Jahre Jüngeren gewandt, setzte Genscher hinzu: "Ich bin stolz auf Sie, lieber Herr Lindner, Sie zeigen Charakter, Mut und Bescheidenheit."

Die Rede des so Gepriesenen klang inhaltlich schlüssig und wirkte rhetorisch stark. In seinen besten Momenten erinnerte der erst 33 Jahre alte Wermelskirchener in Argumentation und Gestik an den im bürgerlich-politischen Milieu vermissten Christdemokraten Friedrich Merz. Lindner vermied kreischende Vehemenz im Wahlkampf-Endspurt; er verkniff sich dünne Witzeleien sowie Grobklotz-Rhetorik. "Das ist meine FDP", so stand es am Pult geschrieben. Lindner steht in den Augen der Liberalen für die neue kämpferische Selbstgewissheit einer Partei, die ihren Stolz wiedergefunden hat und die sich Rot-Grün in NRW nicht anbiedert. Lindner sagt das so: "Für uns kommt niemand als Partner in Betracht, der nicht mit der Schuldenpolitik bricht. Wir sind keine Reserve für Rot-Grün, wir sind die Alternative zu Rot-Grün." Dann schoss er einen Pfeil Richtung CDU ab – wenn die Union unklar werde, müsse die FDP umso eindeutiger sein, das bedeute: Schluss mit der Schuldenpolitik, Ja zur Schulvielfalt, Ja zum Straßenneubau, Ja zum Mittelstand, und: "Wir werben nicht für andere Parteien und Koalitionen, wir werben für uns." – Genscher hatte in diesem Sinne und mit der Sechs-Prozent-Prognose im Sinn gerufen: "Glückauf, Freie Demokratische Partei."

(RP)
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