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Düsseldorf: NRW-CDU verwirft beitragsfreies Lernjahr für Kinder

Düsseldorf : NRW-CDU verwirft beitragsfreies Lernjahr für Kinder

Auf dem Parteitag der nordrhein-westfälischen CDU soll morgen in Siegen das neue schulpolitische Konzept verabschiedet werden. Die NRW-CDU rückt darin von der Privilegierung der Hauptschule ab. Sie werde nicht mehr ausreichend nachgefragt und solle daher ihren Verfassungsrang verlieren, sagte CDU-Generalsekretär Oliver Wittke vor Journalisten in Düsseldorf. Zwar wende sich seine Partei damit vom dreigliedrigen System ab, aber sie poche weiterhin auf Schulvielfalt, weil die Kinder nun einmal unterschiedlich begabt seien und entsprechender Ausbildung und Förderung bedürften. Wittke betonte, dass keine funktionierende Schule aufgelöst werden solle. Wichtig sei das wohnortnahe Angebot. Wegen der rückläufigen Bevölkerungsentwicklung setze seine Partei auf kleinere Klassen und mehr Verbundschulen, also die enge Zusammenarbeit von Haupt- und Realschulen.

Die Union habe inzwischen auch ihren Frieden mit Gesamtschulen geschlossen. Wenn sich die Eltern für ein integratives System entschieden, könne die CDU nicht dagegen einen "Feldzug veranstalten". In diesem Zusammenhang erwähnte Wittke neben den Gesamtschulen auch die Gemeinschaftsschulen, "die ja nichts anderes sind als Gesamtschulen".

"Wir haben uns bewegt", so kommentierte Parteichef Norbert Röttgen das schulpolitische Konzept. Es solle dazu beitragen, den Schulfrieden in NRW wiederherzustellen. Allerdings gibt es mit 700 Anträgen eine Fülle von Änderungswünschen aus der Parteibasis, über die der Parteitag befinden muss. Darunter zählt auch der Wunsch nach einem reinen "Zwei-Säulen-Modell" aus Gymnasium und integrativem System. Fallengelassen hat die Union inzwischen ihr Vorhaben, für Kinder des dritten und letzten Kindergartenjahres ein verpflichtendes "Lernjahr" einzurichten. Die Pflicht zur Teilnahme würde bedeuten, dass das dritte Kita-Jahr für die Eltern kostenfrei sein müsse. Mit Blick auf die Landesfinanzen habe man davon Abstand genommen, so Wittke. Allerdings sollen im dritten Kita-Jahr künftig mehr "schulische Elemente" vermittelt werden.

Gute Chancen räumt der CDU-Generalsekretär dem Antrag der Neusser CDU ein, überall dort, wo es zu wenig Schüler für eine katholische oder evangelische Bekenntnisschule gibt, eine "christlich-ökumenische Bekenntnisschule" zu ermöglichen. Dies gelte in erster Linie für die Grundschulen, aber auch für manche weiterführenden Schulen, sagte Wittke. Die Neusser CDU will mit ihrem Vorstoß "den Gedanken der christlichen Ökumene stärken und den Schulen eine Möglichkeit eröffnen, wie sie ein christliches Profil ausweisen können, ohne speziell etwa an die katholische oder evangelische Konfession gebunden zu sein".

(RP)