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NRW-Bürger bei Altersvorsorge unter Durchschnitt

NRW-Bürger bei Altersvorsorge unter Durchschnitt

Berlin/Düsseldorf Die Bundesbürger sorgen immer weniger für den Ruhestand vor. Legten die Berufstätigen 2005 noch 204 Euro im Monat für ihr Alter zurück, sind es jetzt nur noch 185 Euro. Dabei sieht die Lage in NRW besonders schlecht aus: Hier legte jeder Berufstätige nur 171 Euro pro Monat zurück. Im Schnitt aller Länder der alten Bundesrepublik wurden dagegen pro Monat 196 Euro angespart – 25 Euro mehr als in NRW. Dies ergibt eine gestern in Berlin veröffentlichte Studie der Postbank. Die Zahlen für NRW liegen unserer Zeitung exklusiv vor.

Der Rückstand beim Sparen hat offenbar drei Gründe: Die NRW-Bürger erwarten zu 83 Prozent eine ausreichende staatliche Rente oder Pension, im Bundesschnitt sind dies laut Postbank nur 78 Prozent. 30 Prozent der hiesigen Berufstätigen geben an, dass sie im Alter keine finanziellen Sorgen haben werden, im Bundesschnitt sind nur 25 Prozent so optimistisch. Und während die oft guten Betriebsrenten bei Konzernen wie Bayer, Henkel, Eon, RWE oder Telekom ein berechtigter Grund für die Sorgenlosigkeit vieler künftiger Rentner an Rhein und Ruhr sind, spielt auch die Mentalität eine Rolle: Im größten Bundesland halten 80 Prozent der Bürger die staatliche Rente für die beste Altersvorsorge.

Dabei legen die Deutschen immer weniger Geld für das Alter zurück, obwohl sie von einem höheren Sparbedarf ausgehen. 2005 glaubten die Bürger, dass sie im Monat 226 Euro im Schnitt zurücklegen müssen, jetzt hielten sie sogar 269 Euro für notwendig. Sie sparen also pro Monat 84 Euro weniger, als sie für notwendig halten, 2005 lag die Differenz bei 22 Euro.

Ein Grund für die geringere Eigenvorsorge liegt nach der Studie auch darin, dass eine wachsende Zahl von Geringverdienern besonders wenig vorsorgt. Zugleich ist das Misstrauen gegen Banken und Versicherungen infolge der Finanzkrise gestiegen.

Die Defizite bei der Altersvorsorge gewinnen an Brisanz, da die deutsche Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten deutlich altern wird. Beim ersten "Demografiegipfel" der Bundesregierung gestern in Berlin verwies Kanzlerin Merkel darauf, dass die Deutschen wegen der alternden Bevölkerung vor einem grundlegenden Wandel des Berufslebens stünden.

(RP)