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Seoul/Peking: Nordkorea provoziert mit Bombentest

Seoul/Peking : Nordkorea provoziert mit Bombentest

Kim Jong Un hat nach eigenen Angaben eine Wasserstoffbombe gezündet. Trump nennt das Land einen gefährlichen "Schurkenstaat".

Um 12.29 Uhr Ortszeit bebte die Erde im Nordosten von Nordkorea. Die Erschütterungen spürten die Menschen sogar in Südkorea und grenznahen Teilen Chinas. Das südkoreanische Militär war schnell mit der Einschätzung, dass es sich nicht um ein natürliches Beben, sondern um einen Atomtest handeln könnte. Mit dem sechsten und bisher größten Atomtest seit 2006 fordert Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un offen den amerikanischen Präsidenten Donald Trump heraus. Es ist aber auch ein Affront für die direkten Nachbarn China und Russland.

Experten schätzen, dass Kim im Streit um das Atomprogramm des Landes bereit ist, die Grenzen auszutesten. Die Position Pjöngjangs, das bereits scharfen Sanktionen unterworfen ist, vehärtet sich demnach immer mehr. Südkorea wirft dem Nachbarn seit Jahren vor, eine Politik am Rande des Abgrunds zu betreiben.

Die USA befürchten, dass Nordkorea mit jedem Atom- und Raketentest seinem Ziel näher kommt, Raketen mit einem Atomsprengkopf zu bestücken, die bis auf US-Gebiet getragen werden können. Trump schrieb auf Twitter: "Nordkorea ist eine Schurkennation, die zu einer großen Bedrohung und zu einer Schmach für China geworden ist, das uns mit wenig Erfolg zu helfen versucht."

Eine im traditionellen Kostüm gekleidete Ansagerin hatte zuvor im nordkoreanischen Staatsfernsehen verkündet, dass Nordkorea jetzt eine Wasserstoffbombe für die Bestückung von neuen Interkontinentalraketen getestet habe. Das staatliche Atomwaffeninstitut sprach von einem "perfekten" Test. Die Explosionskraft einer Wasserstoffbombe oder H-Bombe ist um ein Vielfaches größer als bei einer herkömmlichen Atombombe.

Doch wie weit das Land tatsächlich von seinem Ziel entfernt ist, eine einsatzfähige Wasserstoffbombe zu entwickeln und einen Sprengkopf auf Raketen zu setzen, wird auch nach dem neuerlichen Test nicht klar. Eine Überprüfung der nordkoreanischen Angaben ist nicht möglich.

Der Chef des russischen Instituts für Weltraumpolitik, Iwan Moissejew, schätzt, dass Pjöngjang noch gut fünf Jahre für den Bau einer einsatzfähigen Atombombe braucht. Nordkoreanische Ingenieure hätten die Technik zwar weiterentwickelt. "Aber Sprengköpfe und Raketen zu vereinen, ist keine einfache Aufgabe", sagte er der Agentur Interfax.

Doch zuletzt ging es Schlag auf Schlag. Im Juli testete Nordkorea zwei Interkontinentalraketen, auf die der UN-Sicherheitsrat mit einer Verschärfung der Sanktionen gegen Pjöngjang reagierte. Am Dienstag schoss Nordkorea eine Mittelstreckenrakete ohne Vorwarnung über Japan hinweg in den Pazifik.

Innenpolitisch sei der jetzige Atomtest wahrscheinlich auch ein Manöver gewesen, "um von Versorgungsproblemen im Land abzulenken", sagt der Leiter des Büros der Friedrich-Naumann-Stiftung in Seoul, Lars-Andre Richter. Nach außen mache Kim deutlich, dass er im Atomstreit nicht vor den USA einknicken wolle. "Nordkorea ist seit Jahrzehnten mental in einem Kriegsmodus."

Zuletzt überzogen sich Trump und Kim gegenseitig mit kriegerischen Drohungen. Trump drohte "mit Feuer und Wut", was angesichts der nuklearen Bewaffnung beider Länder für große Unruhe sorgte. Doch wie weit geht Trump jetzt? Die USA bereiten nun neue Sanktionen vor. Ziel der Strafmaßnahmen sei es, Nordkorea von seinen verbliebenen Handelspartnern abzuschneiden, kündigte US-Finanzminister Steven Mnuchin im Sender Fox News an. Anderen Staaten müsse klargemacht werden, dass sie nur mit den USA Handel betreiben könnten, wenn sie Nordkorea wirtschaftlich isolierten.

Auch Südkoreas Präsident Moon Jae In, der bisher die Hoffnung auf einen Dialog nicht begraben hat, will Nordkorea jetzt aufgrund des Tests "komplett isolieren". Vor allem aber will Seoul einen Krieg auf der koreanischen Halbinsel verhindern. Dazu braucht es eine enge Absprache mit den USA. Doch überschattet wird die Freundschaft derzeit von Trumps Forderung nach einer Änderung des Freihandelsabkommens mit Südkorea.

Chinas Kurs bleibt unklar. Peking ist seit langem unzufrieden mit dem Verhalten des früheren Verbündeten. Doch Chinas Reaktion auf die jüngste Provokation blieb zweideutig. Zwar verurteilte das Außenministerium den Atomtest "scharf", doch Staatschef Xi Jinping erwähnte den Test vier Stunden danach auf einem Wirtschaftsforum mit keinem Wort. China könnte Nordkorea jetzt den Ölhahn zudrehen, was es bisher vermieden hat, um keinen Kollaps des armen Landes auszulösen.

Die Nato verurteilte den Atomtest als Verletzung diverser Resolutionen des UN-Sicherheitsrates. "Die Nato ist besorgt über Pjöngjangs destabilisierendes Verhaltensmuster, das eine Bedrohung der regionalen und internationalen Sicherheit darstellt", sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Nordkorea müsse sofort alle Atom- und Raketenprogramme einstellen.

(dpa)