Vorwurf von mangelndem Verantwortungsbewusstsein: Nordkorea lehnt multilaterale Gespräche über Atomprogramm ab

Vorwurf von mangelndem Verantwortungsbewusstsein : Nordkorea lehnt multilaterale Gespräche über Atomprogramm ab

Seoul (rpo). Nordkorea hat den jüngsten US-Vorschlag für multilaterale Gespräche über sein Atomprogramm zurückgewiesen. Mit dem Versuch, den Konflikt zu internationalisieren, wolle sich Washington aus der Verantwortung stehlen, hieß es am Samstag in einem Kommentar der Zeitung "Minju Joson".

Zugleich erließ Pjöngjang eine Warnung an alle Schiffe, für vier Tage einen bestimmten Abschnitt des Japanischen Meeres zu meiden. In Washington wurde dies als Hinweis auf die Planung eines weiteren Raketentests gewertet.

Wenn die USA wirklich eine friedliche Lösung wollten, müssten sie sich umgehend zu direkten Verhandlungen mit Nordkorea bereit erklärten, hieß es in dem Zeitungskommentar, der von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreitet wurde. Beobachtern zufolge erhofft sich die Regierung in Pjöngjang von einem bilateralen Dialog Sicherheitsgarantien und Wirtschaftshilfe. US-Präsident George W. Bush hat bei seiner Pressekonferenz am Donnerstagabend jedoch abermals klar gestellt, dass er den Konflikt als regionales Problem betrachte, so dass die Nachbarstaaten Nordkoreas in jedwede Gespräche einbezogen werden müssten.

In der Warnung an alle Schiffe wurde ein bestimmter Bereich vor der nordkoreanischen Küste von Samstag bis Dienstag zur Sperrzone erklärt. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums erging ein ähnlicher Hinweis kurz vor dem Raketentest vom 24. Februar. Damals hatte Nordkorea kurz vor der Amtseinführung des neuen südkoreanischen Präsidenten Roh Moo Huyn eine Kurzstreckenwaffe gezündet, die gegen Schiffe eingesetzt werden kann. In Washington wurde deshalb mit einem weiteren Test gerechnet, worauf jedoch mit Gelassenheit reagiert wurde.

Amerikanische Kongressabgeordnete stellten unterdessen den weiteren Transfer von Dokumenten zur Nukleartechnologie an Pjöngjang in Frage. Das US-Energieministerium bestätigte am Freitag, dass dieser Transfer im Rahmen eines Vertrags zum Bau zweier Leichtwasserreaktoren in Nordkorea weitergehe. Im Gegenzug hatte sich die Regierung des kommunistischen Landes 1994 in einem Abkommen mit den USA verpflichtet, ihr eigenes Atomprogramm aufzugeben. Im vergangenen Oktober berichteten die USA jedoch, dass sie dies nicht eingehalten habe.

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