Gefährliche Provokation: Nordkorea fordert Welt mit Raketen-Test heraus

Gefährliche Provokation : Nordkorea fordert Welt mit Raketen-Test heraus

Westerwelle protestiert in Pjöngjang und bestellt Botschafter ein, Chef des Auswärtigen Ausschusses verlangt Neustart für Verhandlungen.

Der Start einer Langstreckenrakete durch Nordkorea ist weltweit als gefährliche Provokation verurteilt worden. Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach von einer unverantwortlichen Destabilisierung der Region. Er ließ den deutschen Botschafter in Pjöngjang offiziell Protest einlegen, bestellte den nordkoreanischen Botschafter ins Auswärtige Amt ein und forderte den Weltsicherheitsrat auf, eine "deutliche Antwort" zu geben. Das Gremium trat umgehend zu einer Sondersitzung zusammen. Die Staatengemeinschaft richtet sich darauf ein, die Sanktionen gegen das kommunistische Regime erneut zu verschärfen.

Nach einem im frühen Stadium gescheiterten Raketenstart im April war ein erneuter Versuch in der Nacht zum Mittwoch offensichtlich geglückt. Die dreistufige Rakete vom Typ Unha-3 transportierte auch nach südkoreanischer und amerikanischer Beobachtung einen Gegenstand in eine Umlaufbahn. Nach nordkoreanischen Angaben handelte es sich um einen Satelliten vom Typ Kwangnyongsong-3, der etwa zwei Jahre lang zur Wetter- und Wälderbeobachtung dienen solle.

Die Bevölkerung habe den auf Wunsch des früheren Machthabers Kim Jong Il unternommenen Raketenstart als "bahnbrechendes Ereignis" begeistert gefeiert, berichteten die staatlichen Medien in Nordkorea. Der Start erfolgte im Vorfeld des ersten Jahrestages von Kim Jong Ils Tod. Der Vater des jetzigen Machthabers Kim Jong Un (29) war am 17. Dezember vergangenen Jahres gestorben.

Der Start bedeutete einen Verstoß gegen die UN-Resolution 1874, die Nordkorea die Verwendung von ballistischer Raketentechnik untersagt. Der Westen unterstellt dem kommunistischen Regime in Pjöngjang, unter dem Deckmantel der Satelliten-Beförderung Langstreckenraketen für sein Atombombenprogramm zu testen.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), verurteilte die "brisante Mischung aus brutaler Militärtechnologie, massiver Raketenrüstung und dem Streben nach einsatzfähigen Atomwaffen bei gleichzeitiger Verelendung der Bevölkerung". Sie mache das weitgehend isolierte Nordkorea zu einer Bedrohung nicht nur für die regionale Sicherheit, sondern für den Weltfrieden. Der Politiker verwies zudem darauf, dass Waffenexporte aus Nordkorea bisher schon die Sicherheitslage in wichtigen Regionen wie etwa dem Nahen Osten unterminierten.

"Der UN-Sicherheitsrat darf nicht hinnehmen, dass ein wohlbegründetes Verbot ballistischer Raketenstarts von Nordkorea einfach ignoriert wird", erklärte Polenz. Besonders China, das noch einen vergleichsweise großen Einfluss auf Nordkorea habe, sei nun gefordert, in geeigneter Weise auf seinen Nachbarn einzuwirken. "Die Sechs-Parteien-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm müssen nicht nur wieder aufgenommen, sondern vor allem in überschaubarer Zeit mit dem Ergebnis beendet werden, dass Nordkorea sein Streben nach Atomwaffen überprüfbar einstellt und seine aggressive Haltung zugunsten größerer Verständigungsbereitschaft verändert", forderte Polenz.

China drückte sein "Bedauern" über den Raketenstart aus. Dieser sei "entgegen der erheblichen Besorgnis der internationalen Gemeinschaft" geschehen, erklärte das Außenministerium in Peking. Die russische Regierung distanzierte sich deutlicher, nannte den Start "inakzeptabel" und sprach von "negativen Auswirkungen". Moskau forderte Pjöngjang auf, weitere Schritte zu unterlassen, die gegen UN-Resolutionen verstießen. Die Europäische Union prüft neue Sanktionen gegen das bereits weithin isolierte Land.

(may-)