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Stadtallendorf: Niederländer im deutschen Heer

Stadtallendorf : Niederländer im deutschen Heer

Erstmals sind der Bundeswehr Soldaten aus dem Nachbarland unterstellt worden.

Ein Kampfverband der Niederlande wird Teil einer deutschen Division - das hat es in der Geschichte der beiden Nachbarländer noch nicht gegeben. Und deshalb flogen die Verteidigungsministerinnen Ursula von der Leyen (CDU) und ihre niederländische Amtskollegin Jeanine Hennis-Plasschaert (Rechtsliberale) gestern gemeinsam ins hessische Stadtallendorf, um am feierlichen Appell der neuen Division Schnelle Kräfte (DSK) teilzunehmen.

Der Kampfverband vereinigt die Fallschirmjäger beider Länder und die Heeresflieger der Bundeswehr. Auch das geheimnisumwitterte Kommando Spezialkräfte in Calw gehört zu der neuen Division, deren Aufträge aus dem Drehbuch eines Hollywood-Films stammen könnten: Geiselbefreiungen, Evakuierungsoperationen, Kampf gegen irreguläre Kräfte, Erkundungskommandos zur Vorbereitung neuer Auslandseinsätze, Such- und Rettungsdienst - die militärische Antwort der beiden Nato-Staaten auf internationale Krisen und Notfälle aller Art.

Die DSK umfasst 11 600 Soldaten, davon 2100 niederländische. Nur die USA und Großbritannien haben militärische Verbände vergleichbarer Struktur. Die niederländischen Soldaten bleiben an ihrem Standort Schaarsbergen bei Arnheim stationiert, arbeiten aber mit der Bundeswehr auf allen Gebieten von der Ausbildung bis zu Einsätzen eng zusammen. Ein Niederländer, Jack van Maaswaal, ist einer der stellvertretenden Kommandeure der DSK, die vom deutschen Brigadegeneral Eberhard Zorn geführt wird.

Von der Zusammenlegung profitieren beide Seiten: Die Niederländer können deutsche Ausbildungseinrichtungen nutzen, die Deutschen werden durch Infanterie, Pioniere und Sanitäter verstärkt.

"Das ist der bestmögliche europäische Geist", sagte von der Leyen. Es gehe darum, gemeinsam Verantwortung in Europa zu übernehmen. Die Kooperation der beiden Streitkräfte werde weitergehen - Fernziel sei eine europäische Armee.

(RP)