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Brighton: Neuer Labour-Chef gibt sich patriotisch

Brighton : Neuer Labour-Chef gibt sich patriotisch

Ist er ein Radikalinski? Ein Bürgerschreck? Ein vaterlandsloser Geselle? Oder ein freundlicher älterer Herr mit einem neuen politischen Stil? Jeremy Corbyn, der 66-jährige Sozialist und neue Labour-Chef, hat es nicht leicht. Seine Antwort auf alle Vorwürfe und Karikaturen der vergangenen Wochen kam gestern, als er auf dem Labour-Parteitag seine Grundsatzrede hielt.

Den Delegierten musste er versichern, dass er sich nicht verbogen hat. Seinen skeptischen Fraktionskollegen musste er signalisieren, dass Zusammenarbeit möglich ist. Und der Öffentlichkeit musste er zeigen, dass er das Zeug zum Premierminister hat und eine Alternative zur konservativen Regierung anbieten kann. Dem Vorwurf des mangelnden Patriotismus begegnete Corbyn mehrmals, indem er versicherte, dass er "das Land liebe". Und seine Antwort auf die Vorwürfe, ein Radikaler zu sein, lautete schlicht, dass er die Werte einer Mehrheit der Briten teile: "Einen Glauben an Fairplay für alle, an Solidarität und daran, nicht wegzuschauen, wenn andere in Schwierigkeiten sind."

Corbyn will ein auf Ausgleich bedachter, den Konsens suchender Vorsitzender sein. Er will nicht von oben herab bestimmen, sondern eine Debatte haben, in der alle Stimmen zu Wort kommen. "Keiner hat ein Monopol auf Weisheit", sagte Corbyn, "ich will jedem zuhören. Ich glaube fest daran, dass Führung bedeutet, hinzuhören."

Diese Art von "Anti-Macho-Politik" kommt im Land gut an. Wie sich ein inklusiver Führungsstil allerdings mit der Notwendigkeit verträgt, als Oppositionsführer klare politische Positionen anbieten zu können, bleibt offen. Im Moment, und da hat sich Corbyn auch gestern nicht festlegen wollen, herrscht Rätselraten, wie Labour zur Nato, zur EU, zu Atomwaffen, zu Steuererhöhungen, Verstaatlichungen und vielem anderen steht.

(witt)