Washington: Neue Einwanderungsdebatte in USA

Washington: Neue Einwanderungsdebatte in USA

Präsident Trump dringt nach dem New Yorker Anschlagsversuch auf schärfere Regeln.

Akayed Ullah liegt mit Verbrennungen am Unterleib in einer Klinik. Mit der Rohrbombe, die er am Montag während des morgendlichen Berufsverkehrs im Herzen Manhattans zündete, hat er außer drei Passanten nur sich selber verletzt. Der selbstgebastelte Sprengsatz, den er mit Klebeband an seinem Körper befestigt hatte, detonierte nicht richtig. Wäre er mit voller Wucht explodiert, wären wohl Hunderte Eisensplitter durch den Fußgängertunnel geflogen, der einen Busbahnhof am Times Square mit drei U-Bahn-Linien verbindet.

Gegen den 27-Jährigen wurde nun ein Ermittlungsverfahren wegen Besitz einer Massenvernichtungswaffe und der materiellen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung aufgenommen. Unmittelbar vor der Tat schrieb der Verdächtige auf Facebook eine Nachricht an den US-Präsidenten: "Trump du hast deine Nation nicht beschützt."

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Der Anschlagsversuch hat in den USA mittlerweile eine heftige Kontroverse über Pro und Contra einer restriktiveren Einwanderungspolitik ausgelöst. Ullah war vor sechs Jahren aus Bangladesch nach New York gekommen, völlig legal mit einem Visum, wie es Verwandte von Amerikanern beantragen können. Ein 1965 vom Kongress verabschiedetes Gesetz räumt dem Familiennachzug Vorrang vor anderen Faktoren ein.

Konservative Kritiker, die auf eine Reform des "Immigration and Nationality Act" dringen, sprechen mit polemischem Unterton vom Irrweg der Kettenmigration. Angeführt von Präsident Donald Trump, nehmen sie die Causa Akayed Ullah zum Anlass, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. Ein defektes Einwanderungssystem, wettert Trump, schade sowohl der Sicherheit als auch den Wirtschaftsinteressen der USA. Er sei entschlossen, es so zu ändern, "dass unser Land und unser Volk an erster Stelle rangieren". Für Demokraten wie Jerrold Nadler, einen Kongressabgeordneten aus New York, sind es Sprechblasen, die am Kern vorbeigehen. Mit Immigration, so Nadler, habe das Problem nichts zu tun. Das Problem sei vielmehr, dass sich jemand radikalisiere, wenn er bereits in den Vereinigten Staaten lebe.

(RP)
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