Düsseldorf: Neonazis hatten auch NRW-Politiker im Visier

Düsseldorf : Neonazis hatten auch NRW-Politiker im Visier

Im Zuge der Ermittlungen gegen die rechtsextreme Terrorzelle aus Thüringen sind weitere Details bekannt geworden: Nach Angaben der "Bild"-Zeitung befindet sich auf einem bei dem Trio gefundenen USB-Stick mit mehreren Tausend Namen auch der von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Nach Informationen unserer Zeitung sind auch mehrere Ziele aus NRW auf der Liste gefunden worden. So seien islamische Kulturvereine aus dem Oberbergischen Kreis aufgeführt worden. Auch am Niederrhein wurden von den Rechten mutmaßliche Nazi-Gegner identifiziert. In Dinslaken gerieten CDU und SPD auf die Liste – möglicherweise, weil dort 2007 eine von Neonazis geplante Kranzniederlegung verhindert wurde.

Die rechtsterroristische Zelle "Nationalsozialistischer Untergrund", bestehend aus Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe, wird für mindestens zehn Morde, einen Nagelbombenanschlag in Köln und mehrere Banküberfälle verantwortlich gemacht. Mundlos und Böhnhardt töteten sich, umstellt von Polizeikräften, selbst. Zschäpe sitzt in Köln in Haft und schweigt auf anwaltlichen Rat zu den Vorwürfen.

Unterdessen haben im sächsischen Zwickau die Abrissarbeiten an dem stark beschädigten letzten Unterschlupf des Trios begonnen. Zschäpe hatte das Haus nach dem Selbstmord ihrer Komplizen in die Luft gesprengt – vermutlich um Beweismaterial zu vernichten.

Gestern meldete sich der Stiefvater der ermordeten Polizistin Michèle Kiesewetter zu Wort und bestritt jegliche Beziehung seiner Tochter zu ihren mutmaßlichen Mördern. Das BKA hatte zu Wochenbeginn von möglichen Verbindungen zur Terrorzelle gesprochen.

Bundespräsident Christian Wulff traf sich am Abend mit Hinterbliebenen der zehn Ermordeten im Schloss Bellevue. An dem Treffen nahm auch Bundesinnenminister Hans-Peter-Friedrich (CSU) teil.

(RP)